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KINO_KANON > archiv 2004

der neunte tag (+++)
d/lux 2004, volker schlöndorff

ein kriegsdrama, das die wohl verbriefte geschichte des abbé kremer (ulrich matthes) interpretiert, der im priesterlager eines kzs der nazis sitzt, und unvermittelt 9 tage "urlaub" erhält, um die luxemburgische kirche dem zugriff der besetzer zu öffnen - und anderenfalls zurückkehren muss.

im film kommt es zu diskussionen mit einem strammen untersturmführer (august diehl) über religion und ideologie, die sich für abbé kremer zu einer der loyalitäten und fundamente seiner überzeugungen ausweitet, flankiert von den erinnerungen an und den folgen von brutalitäten und der gewissenserforschung anlässlich persönlicher schwächemomente gegenüber dem eigenen hehren anspruch.

mit einer absehbaren, aber im zuge des erfahrens von dessen tatsächlicher tragweite umso bewundernswerteren entscheidung am ende.

ein dichter film von bedrückender eindringlichkeit. mit darstellungen der schrecklichen lagerrealität, die mehr als einmal den bereich des erträglichen verlässt, die im filmkontext aber dennoch ihren sinn und ihre legitimation haben. mit einem überragenden ullrich matthes, dessen reduziertes spiel und ausgemergelte physis die inszenatorische beklemmung zur empathischen vergegenwärtigung steigern.  
 
die fetten jahre sind vorbei (KOTAU)
d/ö 2004, hans weingartner

nachdenken über rebellion in der heutigen, scheinbar post-reaktionären gesellschaft 68er prägung, in der utopien diskreditiert scheinen, illusionen zerstoben sind, und sich dennoch ein unterschwelliges unwohlsein, eine tief gründende wut nicht abstellen lässt.

zwei freunde steigen nachts in villen ein, gruppieren das mobiliar zu kunstinstallationen um und hinterlassen mit "die erziehungsberechtigten" gezeichnete botschaften wie "die fetten jahre sind vorbei" oder "sie haben zu viel geld". sie stehlen nichts, glauben so eine nische gefunden zu haben, die ungerechtigkeit der welt anzuprangern. doch eines tages kommt ein hausbesitzer unerwartet früher nach hause ...

eine angenehm vielschichtige reflexion über den impetus, für die gerechte sache zu kämpfen, dessen mehrdeutigkeiten und eindeutigkeiten, über fließende (und dann doch wieder klar konturierte) freund-feind-linien, die gefahr einer sich aus konsequenz ergebenden zwangsläufigkeit von radikalisierung und gewalt und die individuelle immanenz des systems, gegen das man scheinbar rebelliert.

mit guten dialogen, selbstironie und witz. toll besetzt mit daniel brühl (jan), stipe erceg (peter) und neuentdeckung julia jentsch(!, jule) sowie burghart klaußner als verschlagenem insassen des neuen "volksgefängnisses", dessen wandlungen der generation der gesellschaftlichen akteure hausaufgaben in selbstreflexion aufgibt.

mit einem dringend zu empfehlenden soundtrack (als doppel-cd erhältlich) und intensiver visualität.  
 
the bourne supremacy (++)
usa/d 2004, paul greengrass

sequel des agenten-thrillers mit matt damon und franka potente, die hier allerdings gleich zu beginn das zeitliche segnet.

souverän, aber wenig innovativ, mit dem bekannten motiv des durch verrat und verwicklungen zwischen die fronten geratenden geheimdienstlers, der gegen die apparate nach rehabilitierung und persönlicher selbstfindung trachtet.

kleines extra für deutsche zuschauer: den drehort berlin in der angeblich russischen stadtkulisse zu entdecken.  
 
the forgotten (+)
usa 2004, joseph ruben

ein leider schon klassischer fall von gutem ansatz, der aufgrund mangelnder inspiration und ungenügender konsequenz zu einem unbefriedigendem ganzen wird.

die story: das kind einer frau (julianne moore) verschwindet plötzlich, doch alle wollen ihr einreden, dieses habe nie existiert. die instabile hauptperson schwankt zwischen auf selbstzweifeln gegründeter annahme der diagnostizierten psychose und dem von muttergefühl katalysierten glauben an eine groß angelegte verschwörung. bis sie auf jemanden trifft, dem es ähnlich ergangen sein muss ...

ein zunächst packender plot, der so lange trägt, wie man im ungewissen bleibt. etwas stereotyp, aber dennoch von sympathisch rauhem charme ist auch die figur des trinkenden ex-sportlers, der moore nach anfänglicher (und unterhaltsamer) abwehr zur seite steht. leider tauchen dann irgendwann die urheber in persona auf, was bereits vieles beschädigt, und was durch die allzu uninspirierte auflösung und das vermeidlich zuckersüße schlussbild vollends zerstört wird.

tolle schockeffekte, die mit einem nie gesehenen maximum von überraschung und intensität über einen hereinbrechen, werden nach hinten raus durch inflationierung verbrannt. das skript hinterlässt den eindruck, als sei dem verfasser ab der hälfte nichts mehr eingefallen - oder die produzenten wollten eine gefällige trivialisierung mit mainstream-kompatibilität.

wirklich schade!  
 
der untergang (+)
d/i/ö 2004, oliver hirschbiegel

ob der begnadete bruno ganz es inzwischen bereut, in diesem film den hitler gegeben zu haben? nicht nur, dass der ansonsten eher zurückgezogen lebende träger des iffland-ringes zahlreiche pr-termine absolvieren musste: er fand sich auch wiederholt in diskussionen in der rolle des pflichtverteidigers dieses reichlich unausgegorenen projektes, und im kontext mittelbar der zeichnung der person hitlers, wieder.

der film selber handelt kammerspielartig in detailversessener kulisse von den letzten tagen des ns-regimes vorwiegend im führerbunker in berlin. problematisch dabei ist, das dies weitgehend geschichtslos, d.h. ohne erwähnung der expliziten vorgeschichte geschieht, was neben der teilweise allzu wohlwollenden charakterzeichnung einzelner protagonisten auf den zweifelhaften umstand zurückzuführen ist, dass sich das skript auf die erinnerungen von hitler-sekretärin traudl junge stützt - gleichsam eine verallgemeinerung subjektiver wahrnehmungen und einschätzungen. (gleiches muss man wohl über die darstellung speers sagen, die der umstrittenen deutung des co-autors joachim fest folgt.)

befremdlich wirkt für den historisch vorgebildeten, das es gleichsam von "guten nazis" nur so wimmelt, ein sicher auch der dramaturgie geschuldeter, aber dennoch problematischer zustand. was zu dem kernproblem dieses projektes führt: der babelsberger regisseur und oscar-preisträger volker schlöndorff hat richtigerweise darauf hingewiesen, dass die selbstbezeichnung des filmes, "doku-drama", eine unsinnige ist, denn entweder wird etwas dokumentiert, mit dem anspruch auf authentizität, oder es wird dramatisch bearbeitet, also verändert, gestaltet, mithin verfälscht.

der film hat eigentlich kein inhaltliches ziel. sein zweck ist es, geld zu verdienen. das ist zunächst einmal durchaus legitim, aber eignet sich dieses thema nicht für eine "wie es wirklich war"-vermarktungsstrategie, weil es dann doch einer stärker inhaltlichen auseinandersetzung bedurft hätte.

dem film vorgeworfene reaktionäre tendenzen oder vordergründige klitterung sind nicht wirklich auszumachen, aber seine ziel- und geschichtslosigkeit, verbunden mit pr-behauptungen, man würde erkenntnisreiche einblicke erhalten, sind durchaus problematisch. insbesondere, wenn er auf konsumenten trifft, deren vorwissen nicht die ausgelassene einordnung des geschehens in seinen historischen kontext liefern kann.  
 
the village (KOTAU)
usa 2004, m. night shyamalan

die bewohner eines abgelegenen dorfes sind von einem wald umgeben, den unheimliche kreaturen kontrollieren. der pakt mit ihnen garantiert den hinterwäldlern unversehrtheit, wenn sie eine demarkationslinie nicht überschreiten. doch scheinbar wurde die übereinkunft gebrochen ...

mehr sollte man über die geschichte nicht verraten, denn ihre wendungen und überraschungen sind von der gewohnten güte eines shyamalan-werkes ("the sixth sense", 1999).

der film ist eine packende und gelungene parabel über die machbarkeit und unwägbarkeiten einer utopie, und eine vergegenwärtigung, dass sich gut gemeintes durch verabsolutierung in sein gegenteil verkehren kann.

trotz einiger irritierender untertöne (bezüglich des dorftrottels, gespielt von oscar-gewinner adrien brody) ein stringentes werk, das auf gedanklichen unterbau gründet.  
 
oldboy (+++)
südkorea 2003, chan-wook park

was ist schlimmer: unfreiheit oder freiheit in ungewissheit? dae-su oh wird gekidnappt und 15 jahre in einem privatknast gehalten. nach unzähligen misshandlungen, drogengaben, wahnvorstellungen, selbstverstümmelungen und fernsehbildern (als einbahnstraßen-verbindung nach draußen) ist er plötzlich frei, und muss binnen fünf tagen herausfinden, wer ihm das warum angetan hat.

völlig entmenschlicht, von rache- und gewaltgelüsten beseelt, begegnet dae-su oh seinem peiniger. doch würde er ihn jetzt töten, würde er nie die gründe seines leidens erfahren. die suche nach dem wieso wird zu einer irrfahrt durch die grundsätzlichen warums, zieht ihn in einen existenzialistischen strudel, verbunden mit fragen nach schuld und sühne, eigener biografie und verantwortlichkeit, ignoranz, verbrechen und wahnsinn. ein kampf gegen innere und äußere gegner, fortgesetzte, subtile wie radikale manipulationen.

dieser film ist hart, von beiläufiger coolness und teils schwer zu ertragener brutalität (drei explizite gewaltexzesse lassen selbst hartgesottene wegsehen). man merkt deutlich, dass regisseur chan-wook park philosophie studiert hat. angenehm zudem, dass dem kinogänger intelligenz zugetraut wird: einige der vielen erzählstränge klären sich nur in kurzen, unvermittelten rückblenden oder andeutungen, andere müssen gleichsam aus dem kontext erschlossen werden.

leider verliert der film durch sein ende, welches das sonstige niveau nicht halten kann, und dieses rekursiv beschädigt. dennoch sehenswert.  
 
traumschiff surprise - periode 1 (+)
d 2004, michael "bully" herbig

dass die ur-charaktere der unablässig tuntenden, zickenden und anzüglichkeiten absondernden sonderbaren raumschiff-besatzung aus dem "surprise"-sketchen der bullyparade nicht wirklich tragen und tendenziell nerven, ist bully und den seinen scheinbar schon beim schreiben des skriptes aufgefallen.

zumindest haben sie die handlungsanteile von "kork", "spucki" und insbesondere "schrotty" bzw. "pulle" zugunsten neuer helden und bösewichte deutlich eingeschränkt, und dieses unterfangen mit aufwändiger tricktechnik und ausstattung zu kaschieren versucht.

bei dieser geschichte nach einem sinn, oder nur nach einem roten faden, zu suchen, entspräche so gar nicht den intentionen des filmes, der nur unterhalten will, aber leider kommt zwischen müden kalauern und zusammenhangslosen einzelbildern häufig selbst die unterhaltung zu kurz. die beeindruckenden computeranimationen reichen aber nicht aus, wenn die dialoge darin weitgehend ohne (humoristische) wirkung bleiben.

die figur des jens maul ist nicht ohne charme, was aber hauptsächlich an der physischen komik kavanians liegt. das highlight des films ist der flug im spacetaxi (definitiv ohne den gesang!!), da einer so klamottigen slapstick-kanonade wie einer verfolgungsjagd noch neue aspekte abgewonnen werden.

die erwähnt dünne grundlage des raumtanten-gepräges bemüßigte die drehbuchautoren zu einer unmotivierten und klischeebeladenen zeitreisen-geschichte, der zuallererst eines vorzuwerfen ist: dass sie weitgehend frei von witz ist.  
 
spiderman II (++)
usa 2004, sam raimi

noch mehr als der erste teil der spiderman-verfilmung besinnt sich das skript dieses films des geistes der marvel-vorlagen, die nie simple zack!bumm!boing!-comics waren, sondern stets grundsätzliche fragen thematisierten.

hier ist es die klassische zerrissenheit des superhelden, der sich zwischen seiner aufgabe/ passion und einem angepaßten/ vielleicht glücklichen leben entscheiden muss. allein: diese botschaft wird so inständig repetiert, damit sie auch wirklich alle publikumsschichten durchdringe, dass jenen, denen eine subtilere andeutung genügt hätte, die gedanken zunehmend abzuschweifen beginnen.

bewegungsreiche unterhaltung auf hohem tricktechnischen niveau, die etwas mehr augenzwinkern und etwas weniger winken mit zaunpfählen vertragen hätte.

und insofern fiktion ist, als sich das problem am ende von selbst löst, ohne dass der held künftig auf einen der aspekte verzichten müsste - was im wirklichen leben so nicht vorkommt.  
 
die frauen von stepford (+)
usa 2004, frank oz

ein paar (nicole kidman, matthew broderick) flüchtet vor den zwängen der postmoderne in eine gated community. angeleitet von einem musterehepaar (glenn close, christopher walken) übt man sich hier in heiler welt, in farben und formen der fünfziger jahre, mit traditionellem rollenverständnis und allerlei spießerkitsch. die zunächst gar nicht so begeisterten frauen (insbesondere die widerborstige bette midler) tun eine nach der anderen über nacht plötzlich alles, was von ihren weichei-gatten mit machoallüren gewünscht wird. ursache dafür ist ein dunkles geheimnis, das kidman zu lösen beginnt.

remake des 1975-horrorschockers mit katherine ross. des ergebnisses ansichtig fragt man sich allerdings: warum diese neuauflage? leider ist das große potential der geschichte nicht genutzt worden. man hätte das set-up deutlicher der gegenwart anpassen müssen, und hätte sich dann entscheiden können zwischen: a) einer ironisch-gesellschaftskritischen farce mit deutlichen bezügen zu aktuellen tendenzen in teilen des us-bürgertums, oder b) einem zeitgemäßen gruselfilm. leider wurde beides ein bißchen, und keines konsequent genug getan.

wahrscheinlich hatte man - zu ungunsten des produkts - angst vor mangelndem wirtschaftlichen erfolg. reichlich angestaubt und oberflächlich sind so die charakterzeichnungen der yuppie-frau (kidman), der esoterisch-alternativen widerspenstigen (midler) und des schwulen leidensgenossen. die inszenierung ist insgesamt recht kraftlos, so dass kaum spannung, geschweige denn horror aufkommt. zudem geraten selbst ausnahmeschauspieler wie close und walken bar notwendiger anleitung teilweise ins chargieren.

der film ist zu unentschieden und zu zahm.

fazit: diesen film sparen! das original gucken! und hoffen, dass jemand das potential noch einmal für eine bissige farce nutzt.  
 
höllentour (+++)
d 2004, pepe danquart

ein wissenmehrendes, faszination und respekt schaffendes portrait des härtesten radrennens der welt: die tour de france, vorwiegend aus der sicht einzelner sportler des teams telekom erzählt.

filmisch teilweise brillant umgesetzt - herrliche aufnahmen der naturkulisse, geschickt geschnittene geschwindigkeits- und massensequenzen, interessante blicke hinter die kulissen und in die köpfe der sich jenseits alle physis quälenden tour-teilnehmer - werden die so unterschiedlichen aspekte der tour de france verdeutlicht, getragen und vertieft von der musik till brönners.

die immer imposant nahe, aber nie voyeuristische kamera ermöglicht den zusehern ein miterleben, das mitunter schon imaginationen der freundschaftlichen verbundenheit mit den protagonisten gebiert. so entdeckt man den charmanten witz eines nur scheinbar drögen erik zabel. und erfährt etwas von der gegen sich selbst umbarmherzigen willenskraft eines ansonsten jovialen andreas klöden. das alles in einem film, den sich anzusehen auch noch spaß macht!  
 
muxmäuschenstill (KJÖKKENMÖDDINGER)
d 2004, marcus mittermeier

es ist immer ärgerlich, wenn filmemacher glauben, ihre werke für zweifelhafte kampagnen einspannen zu müssen, insbesondere, wenn das so dilletantisch geschieht wie hier.

mux ist ein proto-, ein hyper-spießer mit affektivem hang zu sadistischer selbstjustiz. er verfolgt schwarzfahrer und umweltsünder, beckenpinkler im schwimmbad, sprayer und hundebesitzer, die ihre tiere auf den gehsteig kacken lassen - und bestraft sie.

die filmemacher, regisseur mittermeier und jan hendrik stahlberg, wenig sympathischer hauptdarsteller und drehbuchautor in personalunion, behaupten gerne in gesprächen, zunächst sei einem dieser mux sympathisch, erst als es zu todesfällen und gewaltexzessen kommt, würde die figur kippen. aber das ist grundfalsch. mux ist von anfang an ein faschistoider straftäter, der sich über andere erhebt - und höchstens einem latent aggressiven sozialspießer sympathisch. aktionen wie die, einem schwimmbadbeschmutzer ein schild mit der aufschrift "ich habe ins becken gepinkelt" umzuhängen, lassen es einem kalt den rücken runtergehen, insbesondere weil sich die menschen hinter der kamera in dieser "harmlosen" phase so unbedarft finsterster ikonographie bedienen.

das wird spätestens dann unerträglich, wenn dieser psychopath (so immerhin nennen ihn mittermeier/ stahlberg auch) beginnt, von reinheit zu schwadronieren, als er sich verliebt - und folgerichtig (aber filmisch bis zum brechen ausgeschlachtet) das ihn enttäuschende mädchen richtet. der eigene tod gehört dann in keinen erzählstrang mehr - da scheinen die herren autoren die ausweglosigkeit ihrer kruden hirnsuppe nurmehr mit einem plötzlich auftauchenden auto beenden zu können, das den protagonisten einfach plattmacht.

ärgerlich ist aber vor allem, das m/s stets darauf aus sind, zustimmung zu ihrer grundüberzeugung zu erlangen, dieser mux habe im kern recht. um es noch einmal deutlich zu sagen: das hat er nicht!
und selbst wenn man sich auf die unausgegorene argumentationsstrategie der beiden jungfilmer einlässt, muss angemerkt werden: wenn ihr tatsächlich meint, erkannt zu haben, das in unserer gesellschaft jemand fehlt, der verantwortung übernimmt, warum erzählt ihr dann nicht diese geschichte? sondern erzählt von diesem psychopathen, und wie er alles falsch macht?

die angebliche gesellschaftskritik der herren mux-erfinder, speziell in all der hierin zum ausdruck kommenden dumpfheit, ist frei von vertieften gedanken, und zeigt auch keine alternativen auf. platte ausfälle gegenüber boulevard- und unterschichten-tv-stars wie bohlen und raab sind da nur billig, und bezogen auf die tendenz einer solchen denkrichtung von erschreckender primitivität. wäre wirklich das die wurzel allen übels, gäbe es eine einfache lösung: schaltet einfach die entsprechenden fernsehsender nicht ein und lest keine tabloids mehr!

man hätte die geschichte dieses mux erzählen können, als die des soziopathen, der er ist, und dem wir gemeinsam erschreckt nachsehen. dann aber ohne die pseudo-gesellschaftskritischen einschübe (die nicht mux, sondern ein auktoriales über-ich einbringt), und ohne die unsinnige behauptung, die figur habe auch nur im ansatz recht. so wird eine potentielle farce im film zu einer tatsächlichen in der realität. das aber ist nichts als ärgerlich, ohne inhalt und ziel. ohne genuss oder gewinn im konsum.  
 
der wixxer (+)
d 2004, tobi baumann

der film hat seine momente, fasste eine freundin treffend zusammen. die verlade der bundesdeutschen edgar wallace-verfilmungen aus der feder von kalkofe und welke beginnt fulminant, mit einem technisch brillanten vorspann und einer zucker-abrams-zucker-nahen gagouvertüre, fällt (trotz einzelner netter einfälle - etwa die girlgroup-fabrik) dann stark ab, und bewegt sich im weiteren verlauf allzu oft in sphären schrecklicher deutscher sketch-tradition, zwischen klamotte, un- und altherrenwitz. für das ende gilt: wenn einem nichts mehr einfällt, darf ein film auch mal kürzer werden. so hat er längen und wenig erbauliches.

den gnadenstern gibt es für die filmtechnik, die spaß macht, für den versuch, etwas anders zu machen und für christoph maria herbst als butler "hatler" (eine figur, die unnötigerweise ab einem gewissen zeitpunkt zu oft und zu vordergründig eingesetzt wird, und so ihr timing und ihre (naja!) subtilität verliert).  
 
zatoichi (++)
jap 2003, takeshi kitano

japans im ausland gefeierter filmemacher und im inland verlachte fernsehclown kitano hat sich der klassischen filmfigur des blinden masseurs und schwertkämpfers zatoichi (u.a. filmreihe 1962-71) angenommen.

in bewährt (westlich) ironischer weise und mit remineszenzen an vorläufer und genre erzählt kitano die samuraisaga als blutmärchen ohne ausgedehnte kampfchoreographie, dafür mit (nicht immer glückenden) einsprengseln konstruktivistischer natur, spielereien mit bildführung (allein 5-6 mal sprengt eine frontal auf die kameralinse zugehende figur das filmset) und rhythmisierung (synchronisation von bild und ton im wiederkehrenden motiv der arbeitenden feldbauern).

trotz der reduzierten kulisse ziehen geschichte und cineastische umsetzung in ihren bann. durch die globalen einflüsse auf kitanos schaffen schwer angereichert mit zitaten und (philosophischen) fußnoten. ein film für das kino.
 
 
mindhunters (KJÖKKENMÖDDINGER)
usa 2004, renny harlin

gruppe von nachwuchs-profilers (u.a. christian slater) wird von ihrem fbi-ausbilder (val kilmer) als abschlussprüfung auf einer einsamen insel ausgesetzt. dann beginnt eine mordserie.

pointenfreies machwerk nach dem zehn-kleine-negerlein-prinzip, bei dem die beworbenen stars als erste draufgehen. das lieblose script ist gleichsam genremultiplagiat aus schlecht geklauten standardsituationen. nassforsch psychologisierende sprechpuppen ohne glaubhafte vertiefung suchen einen seltsam komplex agierenden täter erst gemeinsam, dann in den sich beständig lichtenden eigenen reihen. die gestelzt konstruierte verwickeltheit wird durch eine enttäuschende auflösung vollends entzaubert.

tiefpunkt des filmischen schaffens von "sick boy" jonny lee miller, für kollege ll cool j ist das ja kaum messbar.  
 
the day after tomorrow (+++)
usa 2004, roland emmerich

alles, was ein katrastrophenfilm braucht! in diesem blockbuster macht emmerich das, was er am besten kann: in ganz großem stil kaputt. neu ist (und das ein absoluter gewinn!), dass emmerich sich endlich einmal zu einer aussage durchringen konnte.

inhalt: klimaforscher warnt vor blitz-eiszeit durch versiegen eines golfstromes, wird von einer arroganten us-regierung verlacht und gedisst, behält aber recht. die nördliche hemisphäre friert innerhalb kürzester zeit ein, die industriestaaten verschwinden unter gefrierenden sturmfluten, multi-tornados und schneemassen. das weltgefüge verschiebt sich auch politisch: der vernachlässigte süden der erde, die "dritte welt", wird zum alleinigen überlebensort.

emmerich, der mann, der einst unerträglich national-tümelnden us-patriotenpathos inszenierte (zum beispiel "independence day": präsident hält flammende rede auf dem rollfeld, bevor er im ersten kampfjet dem fremden entgegenfliegt, das immer böse ist, und deswegen ausgemerzt werden muss), hat die augen der wirklichkeit geöffnet, und zeigt einen matten präsidenten, der scheinbar stets uninformiert aus dem urlaub kommt und es schließlich "nicht schafft" und den vize-präsidenten als weißhariges, dickes, selbstgefällig-verbohrtes hardliner-arschloch, der temporäre wirtschaftszahlen über langfristige (oder gar international verhandelte) vorsorgemaßnahmen zum schutz der umwelt stellt.

amüsant war es, die begleitende feuilleton-diskussion über die frage zu verfolgen, ob das gezeigte ein realistisches zukunftsmodell sein kann, das wissenschaftlich fundiert ist. muss man das wirklich von einem hollywood-film erwarten? nein! die überzeichnung und dramatisierung ist doch gerade das prinzip dieses filmgenres. aber was bleibt, ist doch der eindruck, dass vermeintliche wissenschaftliche randthemen plötzlich von elementarer bedeutung für alle werden können, und dass die diskussion um den klimawandel nicht nur etwas für ein paar verstrahlte öko-idealisten ist.

die derzeitige us-regierung, im film kaum verschleiert karrikiert, hat das verstanden, und manches aufgeboten, um den film zu verhindern oder eine diskussion über seine thematik aufkommen zu lassen.
trotzdem ist dieser film in erster linie unterhaltung, sein politisches sendungsbewußtsein sollte auch nicht überbewertet, und durchaus auch als teil der vermarktungsstrategie gedacht werden.

angenehm an der erzählweise des films ist indes, dass neben den beeindruckenden effekten wenige figuren das erleben auf individuelle schicksale herunterbrechen, ohne dass übermäßiger heldenpathos oder schnulzenhafter hollywood-kitsch entstehen (ein kleines meisterwerk, gleichsam als kurzfilm im film, ist die knapp erzählte geschichte des japanischen geschäftsmannes, der in den ersten hagel gerät).

an einer stelle droht der film kurz abzudriften (als auch noch wölfe die bedrängten bedrohen), fängt sich aber schnell. versatzstücke wie die kurze diskussion über nietzsche in der heutigen zeit oder der beschützer der gutenberg-bibel, und seine begründung dafür, sorgen zudem für eine gewisse erdung, die selten und wertvoll ist.  
 
50 erste dates (++)
usa 2004, peter segal

wer in einen adam-sandler-film geht, weiß in der regel, was er zu erwarten hat: ziemlich oberflächlichen pennälerhumor in hau-drauf-manier. manchmal kann man darüber ja lachen.

als adam roth ist sandler eine eigenartige mischung aus lausebengel, touristinnenabschlepper, armer wurst und frauenversteher-in-ausbildung. er ist tierpfleger, und nagelt in der regel alles, was ihm vor die flinte kommt. doch dann kommt lucy whitmore (drew barrymore). er macht sie an, sie verstehen sich, er verliebt sich, sie vergisst ihn.

sie vergisst ihn ganz, denn sie hat kein kurzzeitgedächtnis. er will sie trotzdem, und kämpft mit allen mitteln, freunden und zootieren gegen ihre amnesie, ihre familie und die logik.

die schöne grundidee des films wird leider verschenkt, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er nun typische sandler-klamotte, herzschmerz-schnulze oder betroffenheitskomödie sein will. da aber alle drei genannten elemente ihre guten momente haben, ist der film nicht ganz schlecht, als ganzes aber auch nicht wirklich gut.

und: es gibt entschieden zu wenig zum lachen.  
 
kill bill (+++/ +)
usa 2003/2004, quentin tarantino

am ende von "kill bill - volume 1" denkt man: mann, warum muss man so lange auf teil zwei warten. nach vol. 2 ist man froh, das dieser nicht mit seinem vorgänger zu einem verwurschtet wurde.

vol.1 : ein kunstfilm, eine martial-arts-offenbarung, ein cineastischer kinorausch, close-to-perfection. die vernachlässigbare story tritt angesichts aufwendiger choreographien und bleibender inszenierung in den hintergrund. fontänenhaft spritzendes blut sublimiert in aberwitzigen kampfkonstellationen von tänzerischer schönheit zu einer performance moderner kunst, zu einer comicästhetik zitierenden reminiszenz an alte hongkong- und kungfu-filme und parodistische eastern zugleich. dazwischen agieren die abziehbild-figuren in den tarantinotypischen unmöglichen situationen zwischen absurdität, kranker phantasie und ironischem zitieren filmischer erinnerungen. das ist unterhaltsam und erbaulich für jene, die spaß daran haben, gelegte referenzfährten in cineastische a-bis-c-welten zu entschlüsseln.

vol.2 : krankt an dem problem, das tarantino selbst wohl doch von anfang an an seine dünne story glaubte. kurzum: er nimmt sich ernst. was ein fehler ist.

das beschädigt in gewisser weise auch teil eins, durch die trennung in zwei filme aber weit weniger.

die story wird einfach weitergedreht, aber die erzählweise verändert sich komplett.
das bemühen, der western-bildsprache etwa eines sergio leone nahezukommen, ist unübersehbar, aber eher nervtötend, weil es nicht wirklich funktioniert. außerdem setzt teil zwei zu sehr auf tarantinos pathologische gewaltphantasien (hier ist gewalt ekelhaft, in gleichbleibender überzeichnung nicht mehr ironisch gebrochen) und ein zahnloses white-trash-setup. endloses gelaber von ex-kungfu-caine david carradine als bill mit flöte nervt gewaltig, die großartige sequenz der kampfausbildung der braut durch einen alten meister wirkt wie ein fremdkörper, wie drangeschnittenes restmaterial von vol.1, berechenbare konstruktionen wie der "5-punkte-herz-explosionsgriff" und der superman-schlußmonolog wirken wie kümmerliche selbstverarsche.  
 
und dann kam polly (+)
usa 2004, john hamburg

ein fallanalytiker für potenzielle kunden einer risikoversicherung und privater komplettneurotiker (ben stiller) trifft auf seine völlig gegensätzliche jugendliebe (jennifer aniston), die sein leben auf den kopf stellt.

mäßig lustige, oberflächliche massenware mit den üblichen verdauungsgags und happy-end im regen, die aufzeigt, was der durchschnittsamerikaner für ausgefallen hält, und was ihm die schamesröte ins gesicht treibt.  
 
gegen die wand (+++)
d 2004, fatih akin

lebensgierige deutschtürkin (entdeckung sibel kekili als sibel) geht scheinehe mit abgestürztem landsmann (großartig: birol ünel als cahit) ein, um der strenge ihres traditionellen elternhauses zu entkommen. aus verzweiflung und berechnung werden liebe und leidenschaft. ein totschlag im affekt mischt die karten neu.

ein deutscher film, wie man sich das schon lange wünschte: lebensnah, intensiv, mitreissend. blut fungiert als metapher für leben und leidenschaft. eindringlich und aufwühlend erscheint hier gewalt als teil des lebens, brutal, doch im kontext authentisch, folgerichtig, nicht vordergründig. ergreifend und erregend; eine wilde reise durch eine den meisten deutschen verschlossene welt, die doch von ungeahnter vertrautheit scheint. klassische konflikte, große gefühle, der schrei nach freiheit und die unerbitterlichkeit von leben.

besonders schön die kleinen szenen: der strenge, aber liebende vater, das zwiegespräch der ehegatten, die türkische jungmännerrunde und ihre absurde moralität, und einige mehr.

im letzten drittel gerät ein dialog wesentlich zu lang, was als retardierendes moment gelesen werden mag, oder als rollen-blow-up für meltem cumbul, die ein star ist in der türkei. das großartige ende aber versöhnt. keine erklärungen, kein pathos. im leben werden wichtige entscheidungen auch meist so getroffen: einsam und spontan.

zwei ausrufungszeichen zum schluss:
! nie wurde eine frau im film schlimmer zugerichtet als sibel in den nächtlichen straßen istanbuls. nie wurde eine frau stärker dargestellt als in dieser szene. das opfer hat keine angst mehr, hängt nicht am leben, dominiert die täter, da sie immer wieder aufsteht. nie war sibel freier.
! dies ist ein deutscher film. fast nichts erzürnt regisseur akin mehr als die herkunftsdebatte, die er für "rassistisch" hält. darsteller und figuren des films sind deutsche, manche von ihnen türkischer abstammung, manche nicht. der film zeigt unsere realität und gegenwart, und ist nicht unter multikulti-folklore oder anderen befremdlichkeiten abzuheften.

fazit: direkt in sprache und bildern, bildend, von unerbittlichem drang und lebenswut, subjektiv, polemisch manchmal, echt und meisterhaft.  
 
was nützt die liebe in gedanken (KOTAU)
d 2004, achim von borries

liebe ist der einzige grund, für den wir zu sterben bereit sind.

schönheit, pose, pathos, poesie. "jugend ist eine beständige trunkenheit. sie ist das fieber der vernunft" schrieb la rochefoucauld in seinen réflexions.

"was nützt die liebe in gedanken" zeigt zornige, lebensdurstige, sehnende und fiebernd liebende junge menschen - teenager eben. deren konsequenz ihnen den tod bringen wird. wie es sich 1927 in der "steglitzer schülertragödie" tatsächlich zugetragen hat.

die kamera fängt die patina einer vergilbenden schwarz-weiß-fotographie ebenso ein wie die ungebundenheit einer freien jugend, lässt einen heutigen blick auf das lebendige damals zu.

die bedeutungsheischenden, pathetischen sätze der freunde günther und paul werden von daniel brühl (good bye, lenin!, das weiße rauschen) und august diehl (lichter, 23), den besten jugendlichen liebhabern, die der deutsche film derzeit aufzubieten hat, so überzeugend vor-gelebt, dass nicht die lächerlichkeit adoleszenter überhöhung im vordergrund steht, sondern die welt-schwere ihrer gedanken und schmerzen.

schönheit, pose, pathos, poesie. daraus besteht der film. weiße hemden und nackte oberkörper, lederne fauteuils und anzügliche blicke (eine entdeckung: anna maria mühe (ja: die tochter)), grüne wiesen und nacktbaden, lagerfeuer, landhaus, absinth und musik. ein beständiger rausch, ein kulminierender schmerz.

das mag manchem zu wenig sein. aber das ist adäquat. und das ist das größte, was man über ein kunstwerk sagen kann. und mehr noch: es ist die wahrheit.

wer jemals mit ganzem herzen geliebt hat, mit allem wollen und sehnen, leben und sein, weiß: es gibt nichts anderes - die liebe oder den tod.

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als besondere zugabe läuft der sehenswerte kurzfilm "true" von tom tykwer im vorprogramm. mit natalie portmann (!) in einer der hauptrollen.  
 

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