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KOMPASS  

 

KANON

film reviews

lost in translation aktuelle kinofilme in der kurzkritik

mit subjektiver bewertungsskala

KOTAU .................... meisterwerk
+++ ........................ sehenswert
++ .......................... souverän/durchschnitt
+ ............................ geht so
KJÖKKENMÖDDINGER ... schrott

10.05.2007: 1:1 (+++) 
  Sozialdrama, Love-Story
R: Annette K. Olesen („In deinen Händen“)
D: Mohammed-Ali Bakier, Joy K. Petersen, Anette Støvelbæk, Helle Hertz, Brian Lentz

Eine Verbindung über kulturelle Differenzen hinweg: Dänin Mie liebt Einwanderersohn Shadi. Doch dann wird ihr Bruder ins Koma geprügelt, und ausgerechnet Shadis großer Bruder gerät in Verdacht. Pathosfreie Sozialstudie über Vorurteile und Ängste, Hass und Gewalt, deren Überwindung und Eigendynamik, die auch die Frage stellt, welchen Anteil das Scheitern stadtplanerischer Utopien an den Konflikten in verdichteten Siedlungsräumen hat, ohne dabei belehrend oder dröge zu sein.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
03.05.2007: Der Himmel über Berlin (KOTAU) 
  Klassiker
R: Wim Wenders
D: Bruno Ganz, Otto Sander, Curt Bois, Peter Falk, Solveig Dommartin

20 Jahre ist der Film jetzt schon alt, und die 80er sieht man ihm schon an, aber dennoch ist Wenders' Welterfolg nach Vorlage von Peter Handke noch immer eines der poetischsten Werke, die je auf Zelluloid gebracht wurden. Durch das geteilte Berlin streichen Engel in Regenmänteln, die den Menschen Trost bringen. Als Damiel, einer von ihnen, sich in die Zirkusartistin Marion verliebt, gibt er für sie sein ewiges Leben auf. Die berühmte Szene auf der Siegessäule, ein Nick Cave-Konzert inmitten der inzwischen untergegangenen West-Berliner Szene, vor großartiger Kulisse (etwa dem damals noch unbebauten Potsdamer Platz im Mauer-Grenzgebiet) agierende Doyens der Schauspielkunst (Bois, Ganz, Sander): es gab und gibt viele Gründe, dieses Werk zu lieben. Zum Jubiläum wieder regulär im Kino – unbedingt reingehen!

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
03.05.2007: Das Mädchen, das die Seiten umblättert (KOTAU) 
  Psychodrama
R: Denis Dercourt
D: Déborah François, Catherine Frot, Pascal Greggory

So subtil und unerbittlich ist Rache nur, wenn sie weiblich ist: Als Kind von ihr gedemütigt, findet ehemaliges Klaviertalent in das Leben einer erfolgreichen, aber nervlich instabilen Pianistin. Mit Engelsgesicht macht sie sich unentbehrlich, bis der Zeitpunkt gekommen ist, die alte Rechnung zu begleichen. Ein ruhiges, smoothes und doch hochspannendes, abgründiges Suspense-Praliné, das mit Erwartungen des Zuschauers ebenso virtuos zu spielen versteht wie Jérôme Lemonniers Filmmusik grandiosen Kompositionen eines Schostakowitsch, Schubert oder Bach zu begegnen weiss.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
03.05.2007: Shoppen (+++) 
  Komödie
R: Ralf Westhoff
D: Sebastian Weber, Julia Koschitz, Thomas Limpinsel, Stephan Zinner

Speed-Dating: 9 Männer und 9 Frauen lernen einander kennen. Fünf Minuten Gespräch, Fragen, Selbstdarstellung, Streit oder Schweigen. Und über allem die Hoffnung (gleichwohl die Verzweiflung), nicht mehr alleine zu sein, eine Entsprechung zu finden, vielleicht sogar Liebe. Das ist witzig und traurig, skurril, grotesk, entwürdigend und herrlich. München-Kollorit färbt wohl dosiert in Westhoffs Langfilm-Debut, das sich durch lebensnahe Dialoge abhebt und unverbrauchte Gesichter von den Bühnen der bayerischen Landeshauptstadt einführt.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
01.05.2007: Spider-Man 3 (+++) 
  Fantasy-Action-Drama
R: Sam Raimi
D: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Thomas Haden Church, Topher Grace

Der sensibelste im Zeichensystem des an von inneren Kämpfen gequälten Protagonisten nicht gerade armen Marvel-Universums ist zurück: Spider-Man, Alter Ego des nerdigen Peter Parker, einst durch den Biss einer laborgezüchteten Superspinne zu übernatürlichen Kräften gelangt, die ihn zum Helden befähigen, gebremst allein durch persönliche Konflikte des Herzens. Seine große Liebe, Mary Jane Watson, hat in sein Leben gefunden, und nun begegnen beide den Klippen alltäglichen Beisammenseins, insbesondere dem Schatten, den allzu große Selbstbeschäftigung auf das Gemeinsame wirft, verstärkt durch Dämonen der Vergangenheit und reichlich Stress im Job (dieses Mal: der verzweifelte Familienvater Flint Marko, den ein Teilchenzerstäuber zum 'Sandman' entkörperte und der unglücklich verliebte Nachwuchsfotograf Eddie Brock, dessen seelische Schluchten bereitwillige Vertiefung durch extraterrestrischen Glibber-Symbionten finden, aus den negativsten Emotionen das Monster 'Venom' gebärend). Spektakuläre Action, coole Optik und ein sichtlich um Humor bemühtes Dialogskript trösten über die manchmal etwas getragene Story hinweg. Was der Film an Überlänge hat (Laufzeit 139 Minuten), hätte man aber vom schwülstigen und sich in übermäßigem Handlungsstranggewirr verfangenden Ende her wegkürzen müssen. Trotzdem ein mitreißender Kinokracher, der ins Phantastische entführt, ohne das Echte an Mainstream-Unterhaltung zu verraten. Gesondert hingewiesen sei auf den Soundtrack, der neben The Killers, Wolfmother, The Flaming Lips, Snow Patrol und Yeah Yeah Yeahs auch die Berliner Beatsteaks (mit nem Remix des 'Limbo Messiah'-Tracks 'Cut off the Top') versammelt.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
26.04.2007: Der Fluch der goldenen Blume (+++) 
  Königsdrama
R: Zhang Yimou („Hero“)
D: Chow Yun-Fat, Gong Li, Jay Chou, Qin Junjie, Man Li

Zhang Yimous opernhaftes Geschichtsdrama um Liebe, Verrat, Machthunger, Rache und Schicksal diktiert das Leben selbst, unerbittlich und mit Wendungen, die niemand ersinnen könnte. Farbenpralle, verschwenderische Oppulenz, virtuos choreographierte Massen- und Kampfszenen (Action-Regie Tony Ching Siu Tung) und die inspirierende Kameraarbeit Zhao Xiadings ziehen in einen visuellen Rausch, der den großen Themen die nötige Schwere im Diesseits verleiht. Der Kampf der Ordnung gegen das individuelle Wollen und Fühlen könnte ein heikles Thema sein für einen chinesischen Film, die schillernd gezeichneten Figuren aber und das interpretationsoffene Ende verdeutlichen das Privileg des Künstlers: eine Erzählung anzubieten, die alle Wahrheiten enthalten kann, ohne opportunistisch zu sein oder zu lügen.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
26.04.2007: Inland Empire (++) 
  Mystery-Drama
R: David Lynch
D: Laura Dern, Jeremy Irons, Justin Theroux, Julia Ormond, Harry Dean Stanton

'Hast du mich schon einmal gesehen?' Ihre wiederholte Frage heißt übersetzt: hast du je erkannt, wer ich wirklich bin? Im Kern geht es darum im Leben, im Zusammenleben zumal, und im Wesentlichen auch im neuen Werk von David Lynch. Das 'innere Königreich' zu ergründen ist kein leichtes, das eigene nicht, und das anderer erst recht nicht. Insofern ist es auch konsequent, dass der Film keine richtige Geschichte erzählt, sondern sich fast völlig in Lynchs surreal-asymmetrischem Kryptosystem auflöst. Die um seinen Star Laura Dern (Blue Velvet, Wild at Heart) kreisende Szenenfolge zeigt jene Türen, deren Durchschreiten alles verändert, das Wesen des Eigenen und des Gemeinsamen (Einkehr, Wiederkehr, Ankunft und Abschied), weiß um Blicke, Sichtweisen, Innen- und Aussensicht (Heile-Welt-Soap mit Hasenköpfen), und vom Wundern über die Realität dessen, was man nicht fassen kann. Ein poetisch-universeller Kosmos, große Kunst, mit drei Stunden Laufzeit aber hochgradig anstrengend und deutlich zu lang.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
26.04.2007: Lieben und lassen (+++) 
  Tramödie
R: Susannah Grant
D: Jennifer Garner, Timothy Olyphant, Kevin Smith, Juliette Lewis

Grays Verlobter kommt vom Junggesellen-Abschiedstrip nicht zurück – er ist tot. Das zu verkraften wäre bereits hart genug, doch dann entdeckt die Fast-Witwe ein Geheimnis, das alles auf den Kopf zu stellen scheint. Dass Oscar-Preisträgerin Grant erfrischend eigenständige Scripts (28 Days, Erin Brockovich) verfasst, ist so bekannt wie ihr Talent insbesondere für originelle Dialoge, bei 'Catch & Release' (der Originaltitel nimmt das Subthema Angeln auf) führt sie nun gleich noch Regie dazu. Und schlägt sich recht passabel. Mit den nicht nach der Üblichen-Verdächtigen-Liste besetzten Protagonisten verbringt man gerne einige Zeit, und zum Lachen gibt es auch was.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
26.04.2007: Valerie (++) 
  Drama
R: Birgit Möller
D: Agata Buzek, Devid Striesow, Birol Ünel

Valerie ist Model, oder war. Denn ihr Stern beginnt zu Sinken. Die großen Gagen aber hat sie durchgebracht. Was ihr jetzt noch bleibt, sind ein paar Designer-Klamotten, ihr Äußeres und die erlernte Fähigkeit blendende Fassaden zu errichten. Doch das ist auf Dauer natürlich nicht genug. Ganz unten, in der Tiefgarage lernt sie einen Wachmann kennen, der bemerkt, dass sie in ihrem Auto schläft. Und fern jeden Glamours Echtheit in ihr Leben bringt.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
19.04.2007: Full Metal Village (KOTAU) 
  Doku
R: Sung Hyung Cho

Das Wacken Open Air kennt jeder Heavy-Rockfan. Aber Wacken? Regisseurin Cho folgt launig und frisch erzählenden Dörflern durch den Alltag des holsteinischen Nestes mit kaum 2000 Einwohnern, das jedes Jahr Anfang August das größte Metal-Festival der Welt ausrichtet. Ein intimes Portrait origineller Menschen, ihrer Kauzigkeiten und Abgründe, und der Metamorphose provinziellen Alltags, wenn 60.000 Headbanger einfallen.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
19.04.2007: Sunshine (++) 
  SciFi-Thriller
R: Danny Boyle
D: Cillian Murphy, Michelle Yeoh, Chris Evans, Rose Byrne

2057. Die Sonne stirbt. Letzte Hoffnung der Menschheit sind acht Astronauten, die auf einer fliegenden Bombe dem erkaltenden Stern entgegenfliegen, um ihn wieder anzufachen. Doch die Mission wird zum Horrortrip. Das nach 'The Beach' und '28 Days Later' dritte gemeinsame Projekt von Boyle und Autor Alex Garland ('28 Weeks Later' folgt im Juli) bedient sich bei Genre-Klassikern von Kubrick, Tarkowski bis Cameron, mit Settings und Storylines aus Katzentisch-Produktionen wie 'Armageddon' und 'Event Horizon' aber leider auch einige Abteilungen tiefer.
Als Erstverwerter des Sonnenthemas auf Pionierspfaden, degeneriert ein potentielles SciFi-Highlight – wie schade ist das denn? – zu epigonalem Mimikry. Wo Action Voherrschaft über Wesen und Vision erringt, (klar sehenswerte!) Special Effects nicht untersetzt werden, bleibt allein das Bloße (wer wollte die nach Zählreim-Art abtretende Crew schon mit allzu ausgefeilter Charakterzeichnung beschweren?), die Geschichte mithin seelenlos.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
19.04.2007: The Reaping - Die Boten der Apokalypse (++) 
  Mystery
R: Stephen Hopkins ('Judgment Night')
D: Hilary Swank, David Morrissey, Idris Elba, Annasophia Robb

Vom Glauben abgefallener Priesterin dient Wissenschaft zum negativen Gottesbeweis: In aller Welt entzaubert sie mit Erfolg scheinbar auftretende Wunder als profan erklärbar. Bis sie in die Kleinstadt Haven gerufen wird, in der biblische Plagen die Apokalypse ankündigen. Eher auf Psycho-Suspense setzender (nimmt man das in Effekten untergehende Ende einmal aus), an Genreklassiker wie 'Das Omen' gemahnender Religionsthriller, der seinen Vorbildern aber nicht das Weihwasser reichen kann.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
19.04.2007: Shooter (+) 
  Action-Thriller
R: Antoine Fuqua („Training Day“)
D: Mark Wahlberg, Danny Glover, Ned Beatty

US-Militärpräzisionsschütze entkommt knapp missglückendem Einsatz und lebt fortan rambolike als Einsiedler im Gebirge. Als ein Attentat auf den Präsidenten befürchtet wird, reaktiviert man den Patrioten, der sich bald einer Verschwörung gegenübersieht, die ihn zum Gejagten macht. Paranoides Dumm-Dumm-Geschoss, dessen im Aufruf zu gewalttätiger Selbstjustiz gipfelnde Kritik an der (als Hydra dargestellten) korrupten politischen Klasse wohl amerikanischen Rechtsradikalen aus der Seele spricht, alle anderen aber eher befremdet zurücklassen sollte.

[erschienen in pocket 14. 05'07]  
12.04.2007: Goodbye Bafana (+) 
  History-Drama
R: Bille August
D: Joseph Fiennes, Dennis Haysbert, Diane Kruger

Durch Bekanntschaft mit Insasse Nelson Mandela wandelt sich weißer Gefängniswärter zu besserem Menschen. Wo Regisseur August hinwill, ist ersichtlich, das allerdings nur behauptete (und nicht zu sehende) Charisma des hier reichlich feist und nur sporadisch auftretenden ANC-Führers wird von den Lebenserinnerungen des Schließers verdeckt, der schon zu Beginn nur als Light-Rassist gezeichnet wird. Wie die reichlich geklitterte Szenerie südafrikanischer Folterknäste und die Kontextualisierung nur über TV und Radio Folge (und zugleich Ausdruck der Crux) derzeit grassierender allzu unkritischer Rezeption von Memoirenliteratur historischer Randfiguren.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
12.04.2007: Robert Altman's Last Radio Show (+++) 
  Country-Drama
R: Robert Altman
D: Meryl Streep, Kevin Kline, Woody Harrelson, Virginia Madsen, Tommy Lee Jones, Lindsay Lohan

Im November starb Regie-Altmeister Altman, was den deutschen Verleih bewegt haben dürfte, seinen letzten Film umzubenennen. Der Originaltitel, 'A Prairie Home Companion', aber ist zugleich Name der in Minnesota tatsächlich existierenden Live-Familienrevue, die den Rahmen für dieses starbesetzte Musical Noir bietet. Das Script des realen PHC-Moderators Garrison Keillor (im Film GK) handelt vordergründig von der letzten Bühnensause vor Absetzung des Radio-Dinos, ist aber weitergefasste Allegorie auf Vergehen und Erfüllung, witzig, facettenreich, von Altman als optimistische Flaschenpost von der Querung des Flusses Lethe komponiert.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
12.04.2007: TMNT (++) 
  Fantasy, Animation
R: Kevin Munroe
Sprecher: Leon Boden, Simon Jäger, Bernhard Völger

Hensons Live-Action-Puppen der Kampflurche wurden für das vierte Leinwandabenteuer der Teenage Mutant Ninja Turtles zugunsten CGI-Vollanimation eingemottet, was den Pizza-mampfenden Superheld-Karikaturen aus den 80ern mehr Beweglichkeit verschafft und zudem die anschließende Konsolenauswertung erleichtern dürfte. Einmal mehr retten die Grünen die Welt, vor extradimensionalen Monstern, Generälen aus Stein und anderem Gesocks, während ein Konflikt in den eigenen Reihen schwelt. Weniger Screwball, weniger Pop, mehr Martial Arts, aber immernoch die gleiche Schildkrötensuppe.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
05.04.2007: The Contract (++) 
  Thriller
R: Bruce Beresford („Doppelmord“)
D: Morgan Freeman, John Cusack

Vater-und-Sohn-Versöhnungstour durch Nationalpark wird zu Survivaltrip als flüchtiger Profikiller ihren Weg kreuzt. Freemans sinister-coole Darstellung des Cleaners und schelmenhafte Dialoge heben den konventionell inszenierten Actionkracher auf gesundes Mittelmaß.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
05.04.2007: Freedom Writers (+) 
  Sozialdrama
R: Richard LaGravenese
D: Hilary Swank, Patrick Dempsey, Scott Glenn

Neulehrerin knackt mit Tagebuch-Projekt Problemklasse an Problemschule. Einbahnstraße mit Gutmenschen-Scheuklappen entlangschießende, selbsterfüllt, moralinsatt und triefend kitschy zusammengenagelte Seifenkiste, die der sie inspirierenden wahren Geschichte keinen Gefallen tut.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: Die Herbstzeitlosen (++) 
  Komödie
R: Bettina Oberli
D: Stephanie Glaser, Heidi Maria Glössner, Monica Gubser, Annemarie Düringer

Als die 80jährige Martha im Tante-Emma-Laden ihres verstorbenen Mannes ein Dessous-Geschäft eröffnet, steht ihr verklemmt-konservatives Heimatdorf Kopf. Standfest gegen ihren Sohn, den doppelzüngigen Gemeindepfarrer, und andere Provinzmachos, inspiriert Marthas Starrsinn ihre Reife-Mädchen-Clique zu weiteren Tabubrüchen. Alpenländische Schmunzelkomödie mit Schweizer Starbesetzung, ein Plädoyer für selbstbestimmtes Leben auch im Alter.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: Herzen (+++) 
  Großstadtdrama
R: Alain Resnais
D: André Dussollier, Sabine Azéma, Lambert Wilson, Laura Morante, Pierre Aditi, Isabelle Carré

Sechs Herzen in Paris, die sich begegnen, aber keine Geborgenheit finden, weil sie unfrei sind, in sich selbst. Die Unentrinnbarkeit der alle menschlichen Beziehungen überdunkelnden Einsamkeit bringt Resnais auf den Punkt: Wir tragen die Hölle in uns, ein jeder die seine. Ein aufwühlender, an das Innerste rührender Wegweiser, der in teils zäher Gnadenlosigkeit moralisiert, und Verantwortung einfordert. Jene, die man für andere übernimmt, und jene, (die man) sich selbst gegenüber (trägt). Die man nicht aus dem Auge verlieren darf.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: The Hills have Eyes 2 (+) 
  Horror
R: Martin Weisz („Rohtenburg“)
D: Michael McMillian, Jessica Stroup, Michael Bailey Smith

Greenhorn-Einheit der US-Nationalgarde durchblutet auf Ex-Atomtestgelände unangenehme Begegnung mit kannibalistischem Mutanten-Clan. Slasher-Sequel nach Genre-Pate Wes Craven, das sein Publikum finden wird, obwohl zwischen Schlachtfest und Einzeiler-Stafetten nie wirklich Horror aufkommt und der Death Toll von Jägern und Gejagten sich beinahe die Waage hält.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: The Host (+++) 
  Fantasy-Thriller, Drama
R: Bong Joon-ho („Memories of Murder“)
D: Song Kang-ho, Byeon Hie-bong, Park Hae-il

Jähes Ende der Picknickstimmung am Han-Ufer mitten in Seoul! Und Uncle Sam ist schuld. Bamstige US-Giftmüll-Entsorgung via Ausguss nämlich brachte die (vollendet animierte, man wähnt sich einem garstigen Tier nahe) Kreatur hervor, die nun wendig und mit reichlich Knast die Promenade entlangtrampelt, schreiende Menschen verschlingt und schließlich ein Schulmädchen als Betthupferl mit in die Fluten reißt. Ein tödlicher Fehler, wie sich herausstellen soll. Denn dessen Sippe wird die riesenhaft mutierte Bestie jagen, bis wieder ein Kind am Familientisch sitzt. Ironischer Genre-Bastard aus Monstermovie, Polit- und Gesellschaftssatire, Familiendrama, Trash-Schocker und SciFi-Thriller.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: Mr. Bean macht Ferien (+) 
  Komödie
R: Steve Bendelack
D: Rowan Atkinson, Willem Dafoe, Jean Rochefort

Willem Dafoe als blasierter Arthouse-Regisseur: absolut sehenswert! Ebenso wie die liebevoll-spöttische Verneigung vor den Befremdlichkeiten der Film-Festspiele von Cannes. Ansonsten zieht sich die Irrfahrt der klemmigen Brit-Karikatur aus dem vorigen Jahrhundert reichlich ermüdend durch die französische Klischee-Ebene. Muss man nicht haben.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: Ein perfektes Paar (+++) 
  Beziehungsdrama
R: Nobuhiro Suwa
D: Valéria Bruni-Tedeschi, Bruno Todeschini

Der Ehe ins Gesicht: Nach 15 Jahren wollen sich Nicolas und Marie trennen. Sie haben sich auf dem Weg verloren. Lange statische Einstellungen wechseln mit Handkamera-Super-Close-Ups, umfassende Ermüdung und individuelle Verstörung sind greifbar. Scharfe Profile der Entfremdeten: unmöglich geworden. Gesellschaft verdeckt sie buchstäblich, oder taucht sie in Dunkel, während der Zuschauer eigene Liebesnarben in die langen Dialogpausen denken kann. Ein schonungsloser, aber optimistischer Blick auf das Auseinandertreiben in Partnerschaften. Etwas zu lang.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
29.03.2007: Triff die Robinsons (++) 
  SciFi-Animation
R: Stephen J. Anderson
Sprecher: Rick Kavanian, Eva Padberg, Ralf Möller, Thomas Gottschalk

Technikaffiner Oliver Twist wird auf Suche nach seiner Mutter von Heißsporn in quietschbunte Zukunft entführt, wo er die perfekte Familie kennenlernt. Mit reichlich Bam-Bam überstrasste, positivistische Zuckerwatte aus Sonys CGI-Schmiede. 'They Might Be Giants', 'The All-American Rejects' und Jamie Cullum, der einem Dean Martin-Frosch Stimme gibt, versammelt der Original-Soundtrack, die deutsche Version – naja – Kinderstars wie Gil Ofarim und 'Killerpilze'.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
22.03.2007: Alpha Dog (+++) 
  Drama
R: Nick Cassavetes
D: Emile Hirsch, Justin Timberlake, Bruce Willis, Sharon Stone, Shawn Hatosy

Die gesellschaftliche Erosion hat die amerikanische Mittelschicht erreicht, Cassavetes' erschreckend authentisches True Crime-Drama führt den Beweis. Rich Kid-Dealer Johnny Truelove ist Leitwolf einer Clique von Möchtegern-Gangstern. Häuser mit Pool, dicke Autos, Abhängen und Parties: Alltag. Poser-Tattoos, Mädchen und Pimp-Gehabe: auch. Aber dann entführen sie einen 15-Jährigen, dessen Halbbruder ihnen Geld schuldet. Mangels anderer Ideen lassen sie ihn zunächst mitfeiern. Als sie aber merken, dass sie eine Grenze überschritten haben, befiehlt Johnny die Ermordung des Jungen.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
22.03.2007: Am Limit (+++) 
  Kletter-Doku
R: Pepe Danquart („Höllentour“)
D: Alexander Huber, Thomas Huber, Dean Potter, Chongo

Bis zum Hals schlägt einem das Herz, wenn die 'Huberbuam' versuchen, die 'Nose', 1000 Meter senkrecht im Yosemite Nationalpark stehende 'El-Capitan'-Südwand, in neuer Rekordzeit zu erklettern. Wie schon bei seinem Tour De France-Doku-Thriller „Höllentour“ ist Oscar-Preisträger Danquart unfassbar nah dran. Seine einzigartige Montagetechnik verdichtet Thalers poetische Landschaftsbilder, spektakulär aufgenommene Freeclimbing-Szenen und Reflektionen über Angst, Leidenschaft, Glücksgefühl und Erfüllung zu einem ebenso eindrücklichen wie kurzweiligen Portrait, verbunden und gehalten von einem erneut stimmigen Musikkonzept.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
22.03.2007: Die Fälscher (+++) 
  KZ-Drama
R: Stefan Ruzowitzky („Anatomie“)
D: Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow, Marie Bäumer

130 Millionen britische Pfund ließen die Nazis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges drucken, die größte Geldfälschungsaktion der Geschichte. Die 'Operation Bernhard' sollte den verloren gehenden Krieg refinanzieren und ausländische Währungen destabilisieren. Einquartiert in einem strikt abgeriegelten Trakt des KZ Sachsenhausen mussten Häftlinge – ehemalige Drucker, Bankangestellte, Grafiker und von der Polizei verhaftete Fälscher – Blüten für den Führer produzieren. Ein moralisches Dilemma: Besser gestellt als andere Lagerinsassen, aber immernoch existentiell bedroht und entwürdigt, treibt einige die Frage um, ob es besser sei, zum Preis der Kooperation mit dem Feind das eigene Überleben zu sichern oder sich selbst zu opfern, widerständig, unkorrumpierbar, das Wahre über die Ohnmacht stellend. Ruzowitzky macht Historie erfühlbar als das, was sie ist: Gelebtes Leben. Gelingen aber kann das nur mithilfe großartiger Darsteller (allen voran Devid Striesow als jovialem Biedermann, kumpelhaft großtuerisch und scheinbar verständig, und dennoch gefühlsfern unmenschlich handelnd, ein Täter) und einem Drehbuch, das wider konventionelle Schwarz-Weiß-Zeichnung echte Menschen beschreibt, ohne dadurch das Gefälle zwischen Gut und Böse zu verwischen, sondern (der unauflöslichen Grenze zwischen tatsächlicher Erfahrung und bloßem Nachempfinden gewahr) ungekünstelt authentisch hineinzieht in eine Szenerie, die sonst nur holzschnittartig imaginiert wird oder völlig unvorstellbar bleibt. Allein die Figur des Adolf Burger, auf dessen Memoiren sich das Skript stützt, ist etwas zur Haltung erstarrt, die leichte Inkontingenzen nicht beschädigt hätten.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
22.03.2007: Hände weg von Mississippi (++) 
  Familie, Komödie
R: Detlev Buck
D: Katharina Thalbach, Christoph Maria Herbst, Milan Peschel, Detlev Buck, Heidi Kabel

Fieser Erbschleicher will Haflinger-Stute Mississippi zu Pferdewurst verarbeiten. Doch das lassen Emma und Großmutter Dolly (urtypisch: Thalbach) nicht zu. Kindgerechte Verfilmung des Romans von Cornelia Funke (Tintenherz, Die wilden Hühner). Trotz reichlich überflüssigen Slapsticks und etwas eindimensionaler Story rührende Ausmalung heiliger Kindheitserinnerungen an den Sommerurlaub bei Oma auf dem Lande (gedreht in MeckPomm). Ein liebevolles Denkmal für die Volksschauspielerin Heidi Kabel zudem, zum quirligen Soundtrack der Berliner Country-Trash-Punkrocker The Boss Hoss.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
22.03.2007: Keine Sorge, mir geht's gut (+++) 
  Psycho-Drama
R: Philippe Lioret („Die Frau des Leuchtturmwärters“)
D: Mélanie Laurent, Kad Merad, Julien Boisselier

Bis in die Psychiatrie bringt Lili die Sorge um ihren Bruder, als dieser plötzlich verschwindet. Es habe Streit gegeben, bekennen die Eltern. Aber irgend etwas stimmt nicht. Trotz antizipierbarer Auflösung und logischer Spratzer gelingt Lioret und seinen großartigen Darstellern eine sensible Familienaufstellung, Lebenslügen nicht nur des französischen Mittelstandes spiegelnd.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
22.03.2007: Number 23 (+++) 
  Mystery-Thriller
R: Joel Schumacher
D: Jim Carey, Virginia Madsen

Grimassist Carey einmal ganz düster: Hundefänger glaubt in einem Roman das eigene Leben wiederzuerkennen, und verfällt dem Wahn des Protagonisten um die Zahl 23. Diese verschlüsselt ein schreckliches Geheimnis, das sein Leben verändern wird. Mitreissender, in den parallelweltlichen 'Detective Fingerling'-Passagen ästhetisch an Graphic Novels orientierter Psychotrip. Gelegentlich holprige, aber insgesamt originelle Unterhaltung, eine gewisse Neigung zum Verschwörungszahlenspiel-Klassiker um die 23 vorausgesetzt.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
15.03.2007: Schnitzelparadies (+) 
  Komödie
R: Martin Koolhoven
D: Mounir Valentyn, Bracha van Doesburgh, Tygo Gernandt, Frank Lammers

Nordip hat einen Spitzen-Schulabschluss, arbeitet aber lieber in der Siffküche einer Tourifalle, als Vaters Medizinerträumen zu entsprechen. Die richtige Entscheidung, findet er doch inmitten gesellschaftlichen Bodensatzes eine Perle. Brachial-humoristischer Multikultimurks, der Nationalklischees bis an die Rassismusgrenze ausreizend die unterste Gagschublade aus der Verankerung reisst. Wäre der „holländische Kassenschlager Nr. 1“ von 2005 eine deutsche Produktion, sogar schmerzlose Mimen wie Hilmi Sözer wären sich zu schade dafür gewesen.

[erschienen in pocket 13. 04'07]  
15.03.2007: Der letzte König von Schottland (+++) 
  History-Thriller, Drama
R: Kevin Macdonald
D: Forest Whitaker, James McAvoy, Kerry Washington, Gillian Anderson

Junger schottischer Arzt geht 1971 als Entwicklungshelfer nach Uganda und wird per Zufall Leibarzt von Idi Amin. Fasziniert von dessen charismatischer Persönlichkeit gerät er in das von skuriller Gigantomanie, Phobien und Aberglaube geprägte System des als Volkstribun angetretenen Diktators. Bis zu 500.000 Menschen fielen der achtjährigen Gewaltherrschaft des „Schlächters von Afrika“ zum Opfer, deren Leichen Amin teilweise an Krokodile verfüttern liess oder selbst aufgegessen haben soll, was ihm den Beinamen „Kannibale“ einbrachte. Der Film lebt von Whitakers kraftvoller Darstellung des hünenhaften Ex-Boxers, dessen einnehmendes Wesen binnen Sekunden in blanken Wahnsinn umschlagen konnte. Auf historische Zusammenhänge aber wird teilweise nur zaghaft angespielt, und Amins Greueltaten treten (der Blick durch die Augen des fiktiven, seine idealistischen Projektionen spät verlierenden Mediziners filtert diese) zunächst in den Hintergrund.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
15.03.2007: Neues vom WiXXer (++) 
  Krimikomödie
R: Cyrill Boss, Philipp Stennert
D: Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Joachim Fuchsberger, Christoph Maria Herbst

Der WiXXer ist zurück! Eine Todestabelle des Super-Villains nach keinem Roman von Edgar Wallace listet auch Yard-Inspektor Very Long, während Chiefinspektor Even Longer auf Freiersfüßen wandelt und Adolf-Lookalike Hatler zum Irrendoktor umgeschult hat. Neuaufguss der kalauerschwangeren Krawallpersiflage nach bekanntem, aber immernoch wirkungsvollem Strickmuster. Bedenklich allenfalls: Mit einem Cameo-Feuerwerk von Restbeständen deutscher Fröhlichkeitsindustrie erhält Kalkofes Bad-Taste-Universum, das er im TV einst vorgab zu bekämpfen, affizierenden Einzug in sein filmisches Schaffen.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Mitten ins Herz - Ein Song für Dich (++) 
  Romantic Comedy
R: Marc Lawrence („Ein Chef zum Verlieben“)
D: Hugh Grant, Drew Barrymore

Alex Fletchers große Zeit ist vorbei. Nur für Klassentreffen und Freizeitparks wird der Eighties-Popper noch gebucht, ins Fernsehen brächte ihn heute allenfalls ein Auftritt beim Promiboxen. Da erhält er eine unerwartete Chance, seine vermutlich letzte: Lolita-Superstar Cora will ein Duett mit ihm performen. Ein sicherer Hit. Einziger Haken: Den muss er innerhalb einer Woche selber schreiben. Doch dem Show-Dino fehlt es an Inspiration. Bis das Schicksal eine lyrisch begabte Putzhilfe an seiner Tür klopfen lässt. Nette Mainstream-Komödie mit ironischem Blick auf die Achtziger und das Popgeschäft.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Pathfinder - Fährte des Kriegers (KJÖKKENMÖDDINGER) 
  Action, History-Fiction
R: Marcus Nispel („The Texas Chainsaw Massacre“)
D: Karl Urban, Clancy Brown, Ralf Möller, Jay Tavare

Nordamerika, 500 Jahre vor Christopher Kolumbus: Schiffbrüchiger Wikinger-Waise wächst bei Indianerstamm zu weißem Krieger heran. Als die mordende Nordmann-Verwandschaft zurückkehrt und alle Einwohner seines Asyldorfes hinschlachtet, stellt der Schwert schwingende Neuindianer sich ihnen im Alleingang entgegen. Arthouse-Ambitionen wird dem deutschen Spielleiter Nispel niemand unterstellen wollen, aber selbst als reiner Actionkracher funktioniert dieser auch technisch unfassbar schlecht gemachte Film nicht wirklich. Der hanebüchenen Story gesellt sich eine einfältig abschwenkende Kamera und ein bremsender, häufig unlogischer Schnitt zur Seite. Selbst der Versuch Graphic Novel-Ästhetiken zu adaptieren, gelingt selten. Die „Hollywood-Karriere“ von Ralf Möller beruft sich auf Mittäterschaft in Schrott wie diesem, der nichts mehr gemein hat mit der samischen Volkssage, deren 1987er Verfilmung „Ofelaš“ dem norwegischen Regisseur Nils Gaup einst eine Oscar-Nominierung einbrachte.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Rennschwein Rudi Rüssel 2 - Rudi rennt wieder! (+) 
  Familie, Komödie
R: Peter Timm
D: Sebastian Koch, Sophie von Kessel, Andreas Schmidt, Dominique Horwitz

Vater und Sohn in der Krise. Nickel bringt vom Wandertag ein Ferkel mit nach Hause, Papa von der Dienstreise gleich eine neue Mutti. Die zu allem Überfluss Tochter Feli im Schlepptau hat. Als Nickel Rüsseltier und Patchwork-Anhang unter einem Dach zuviel werden, macht er sich auf die Suche nach „Schweineland“, begleitet von Rudi und der „Zicke“, mit der ihn inzwischen ein Anti-Eltern-Pakt verbindet. Die gemeinsamen Abenteuer auf der Walz bringen die Kids einander näher. Doch sie werden verfolgt. Schwachkopf-Ganoven „Einstein“ und „Spacko“ wollen sie kidnappen. Trotz für das Genre überdurchschnittlich komplexer Figurenzeichnung im ersten Teil leichtgängige, im zu aufgedrehten zweiten eher seichte Familienunterhaltung, die – nur dem Namen nach Sequel des Kassenschlagers von 1995 – trotz allen Konsensstrebens nicht zwingend ins Kino gehört.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Strajk - Die Heldin von Danzig (+) 
  Drama
R: Volker Schlöndorff
D: Katharina Thalbach, Andrzej Chyra, Dominique Horwitz, Andrzej Grabowski

Das Aufkommen der polnischen Solidarność-Bewegung gehört zu den spannendsten Ereignissen osteuropäischer Zeitgeschichte. Schlöndorffs längliche Danziger Werft-'Ballade' aber degradiert Lech Wałęsa zur halbgaren Nebenfigur, und stellt zu resoluter Streikführerin wachsende vormalige Heldin der Arbeit in den Mittelpunkt. Eher deplatziert wirkt Thalbachs gewohnt schnoddrige Darstellung, ganze Passagen klingen wie gelesenes Skript. Trotz Andreas Höfers verlässlich exquisiter Kameraarbeit und Beteiligung polnischer Stars wie Andrzej Chyra weiß man sich zudem leider allzu oft auf einem Filmset. Und selbst das anfänglich antreibende Thema von Elektro-Altmeister Jarre wirkt nach x-ter Wiederholung abgeschliffen.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Zum Abschied Mozart (+) 
  Doku
R: Christian Labhart
K: René Baumann, Otmar Schmid

Dieser Film ist eine Mogelpackung. Vordergründig probt ein Abschlussjahrgang Mozarts Requiem, das am letzten Schultag aufgeführt werden soll. Die Konfrontation heutiger Jugendlicher mit der fremden Welt klassischer Musik wollen die Macher portraitiert haben, den Vergleich mit Werken wie „Rhythm is it“ nicht scheuend. Aber hier geht es nicht um Problemkids, bildungsferne Sozialfälle oder sonstwie Benachteiligte. Die Protagonisten sind auch keine normalen Schüler, sondern die Singklasse einer gebührenpflichtigen Rudolf-Steiner-Oberschule in der Schweiz. Und so gerät das Ganze (möglicherweise beiläufig) zu einem Werbefilm für Steiners anthroposophische Lehren und Waldorf-Pädagogik. Das ist im Grunde in Ordnung – es gibt Schlimmeres als dessen Konzept, Wissenschaft, Kunst und Religion als Einheit begreifend unabhängiges Geisteslebens zu befördern – aber es sollte auch draufstehen. Die wenigen Momente, in denen Mozart tatsächlich die Hauptrolle einnimmt, rühren indes. Unterlegt mit wunderschön fotographierten Naturaufnahmen steht die Musik für sich. Davon hätte man sich mehr gewünscht.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Bobby (++) 
  Polit-Drama
R: Emilio Estevez
D: Anthony Hopkins, Harry Belafonte, Sharon Stone, Demi Moore, William H. Macy, Martin Sheen, Christian Slater, Elijah Wood, Laurence Fishburne, Helen Hunt, Ashton Kutcher, Lindsay Lohan, Joshua Jackson, Emilio Estevez, Heather Graham

Ein anderes Amerika war zum Greifen nahe. Daran lässt diese ambitionierte Hommage an Robert F. Kennedy keinen Zweifel. Eine mittelbare Stellungnahme auch gegen die Politik George W. Bushs, die der stargespickten Cast wohl bewußt gewesen sein dürfte. Um sich aber nicht in die Verfänglichkeiten einer politischen Biographie zu begeben, wählt Regisseur Estevez einen klugen Weg. In einem Kaleisdoskop aus fiktiven Einzelgeschichten erzählt er von 22 Menschen, die sich am 4. Juni 1968 im Ambassador Hotel in Los Angeles aufhalten, in dessen Küche in der Nacht die tödlichen Schüsse auf RFK fallen werden. Als Ganzes ergibt sich das Bild einer gleichsam auf den Erlöser hoffenden Nation, was natürlich, ebenso wie die Einflechtung einiger Sonntagsreden des die Präsidentschaft anstrebenden kleinen Bruders JFKs, unnötig einseitig ist. Der überdeutlichen und wahrscheinlich richtigen Botschaft des Films hätte ein bärbeißiger Redneck nicht geschadet.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.03.2007: Das wahre Leben (+++) 
  Drama, Satire
R: Alain Gsponer
D: Ulrich Noethen, Katja Riemann, Hannah Herzsprung, Juliane Köhler

Sohn Bombenbastler. Mutter Galeristin, die mit dem Kulturchef der Lokalzeitung vögelt. Vater? Workaholic. Der erwachsene Sohn bei der Bundeswehr, von nackten Kameraden träumend. So sieht es aus hinter gutbürgerlichen Fassaden. Dumm nur, wenn Vati den Job verliert, und plötzlich zu Hause mitmischen will. Nie war die Riemann so sympathisch, nie Noethen so cool wie in dieser tragikkomischen Dekonstruktion des CSU-Familienbildes.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
01.03.2007: The Hitcher (KJÖKKENMÖDDINGER) 
  Psychothriller
R: Dave Meyers
D: Sean Bean, Sophia Bush, Zachary Knighton

Gute Drehbücher bitte an: ICM, Oxford House, 76 Oxford Street, LONDON, W1D 1BS, England. Auf dass Sean Bean nie wieder in einem Machwerk der Bay-Crew auftreten muss. Fürs Protokoll: Irrer Anhalter jagt College-Couple durch New Mexico und metzelt die gefühlten 30 Einwohner des Wüstenstaates hin. Hirntotes (zudem grob langweiliges und äußerst brutales) Remake des Rutger Hauer-Schockers „Hitcher, der Highwaykiller“.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
01.03.2007: Junebug (++) 
  Drama
R: Phil Morrison
D: Amy Adams, Embeth Davidtz, Ben McKenzie, Alessandro Nivola

Um wirrköpfigen Provinzkünstler zu signen, reist auf Outsider-Kunst spezialisierte Großstadt-Galeristin nach North Carolina, wo sie die Familie ihres frisch Angetrauten kennen lernt. Mit (manchmal etwas hämischem) Blick auf das Leben im Bible Belt legt der Clash des kosmopolitischen Paares mit den in der anachronistisch-konservativ geprägten Heimat Zurückgelassenen wechselseitige Projektionen offen. Eine universelle Studie über Heimkehr, die Dauerhaftigkeit verwandschaftlicher Spannungsfelder und den Rückfall in alte Rollenmuster, die nebenbei auch die Kluft zwischen Kunstbetrieb und künstlerischer Produktion thematisiert.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
01.03.2007: Fast Food Nation (++) 
  Drama
R: Richard Linklater („Before Sunrise“)
D: Greg Kinnear, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Bruce Willis, Avril Lavigne

Wie verfilmt man ein Sachbuch? Eric Schlossers „Fast Food Gesellschaft“ über Aufstieg, Praktiken und Einfluss der US-Lebensmittelindustrie war 2001 ein Bestseller. Doch nicht als faktengeladene Doku kommt es jetzt ins Kino, sondern als lose verwobener Episodenfilm. Während der Marketingchef eines Burgerbräter-Imperiums ermittelt, wie Kolibakterien in den „Big One“ gelangen konnten, verdeutlicht das Schicksal einer Gruppe illegaler Einwanderer unhaltbare Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken. Kris Kristofferson darf als Rancher über die 'Maschine' philosophieren, die das Land regiert, und Ethan Hawke über die Notwendigkeit widerständigen Handelns, erfrischenderweise ironisch kontrastiert durch misslingenden Heile-Welt-Aktionismus. In seinen plakativsten Passagen bedient sich dieses Aufklärerstück bloßen Ekels vor Schlachthausszenen, um anzuprangern, was diese nicht zeigen. Eines aber ist sicher: Beim Biss in den nächsten Burger wird man sich der Schlüsselszene erinnern, in der ein breitbeiniger Bruce Willis die Lage auf den Punkt bringt: „Wir alle müssen hin und wieder mal Scheiße fressen.“

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
01.03.2007: The Good German (+++) 
  History-Thriller
R: Steven Soderbergh
D: George Clooney, Cate Blanchett, Tobey Maguire, Beau Bridges

Deutsche Kollektivschuld im Verhältnis zu individueller Verstrickung ist das Meta-Thema von Soderberghs komplett in überseeischen Studios entstandener Verneigung vor dem klassischen Film Noir. Während 1945 in Potsdam die Neuordnung Europas verhandelt wird, begegnet ein US-Militärjournalist in den Ruinen der Reichshauptstadt seiner deutschen Vorkriegsliebe wieder, die im Zentrum eines verwickelten Ringens der Siegermächte um die tatsächliche Nachkriegsordnung steht. Als nahe Schloss Cecilienhof die Leiche eines amerikanischen GIs angespült wird, droht die Lage zu eskalieren. Nicht zuletzt aufgrund der das S/W-Setting als ätherisches 'Frollein' überstrahlenden Cate Blanchett gerät Soderberghs Retro-Ränkespiel zu einem beziehungsreichen Cineastenschmankerl: Zusehererwartungen an die Zeit bedienend, suggeriert die Entscheidung zu zeitgenössischer Beleuchtung und Aufnahmetechnik eine authentische Stimmung, aufgehübscht am Computer und durch Einweben historischen Filmmaterials patiniert.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
22.02.2007: Pans Labyrinth (KOTAU) 
  Fantasy-Drama
R: Guillermo del Toro („Chronos“, „Hellboy“)
D: Ivana Baquero, Sergi López, Ariadna Gil, Maribel Verdú, Doug Jones

Spanien 1944: Auf dem Anwesen ihres kaltherzigen Stiefvaters, dem brutalen Franco-Offizier Vidal, entdeckt Ofélia ein verborgenes Labyrinth. Darin begegnet sie Pan, einem pferdefüßigen Faun, der ihr enthüllt, dass sie die verschollene Prinzessin eines magischen Königreiches ist. Um sich einer Rückkehr würdig zu erweisen, muss sie gefährliche Aufgaben erfüllen. Ekel, Furcht und Versuchung überwinden, um aus dem Dunkel ihrer Tage treten zu können. Düsteres Märchen über die Macht der Phantasie, verstörend wie Lewis Carroll oder Grimmsche Urtexte, eine poetische Überwindung menschlichen Grauens. Denn trotz aller Fratzen im Irrgarten wütet das eigentliche Monster in der realen Welt. Es ist der „Tod der Seele“, den Regisseur Del Toro im Faschismus erkennt, die „Perversion der Unschuld“. Ästhetisch inspiriert durch Goyas 'Pinturas Negras' und die Arbeiten von Kinderbuch-Illustrator Arthur Rackham. Ein früher Höhepunkt des Filmjahres.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
22.02.2007: Letters from Iwo Jima (++) 
  Kriegsdrama
R: Clint Eastwood
D: Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryo Kase

Die Schlacht um Iwojima war das blutigste Pazifikgefecht des Zweiten Weltkrieges. 7000 US-Soldaten und fast alle 21000 japanischen Verteidiger fanden auf der Schwefelinsel den Tod. Direkt im Anschluss an seinen ersten Iwojima-Film, „Flags of our Fathers“ (über Schicksal und propagandistische Ausbeutung jener amerikanischen GIs, die das weltberühmte Rosenthal-Foto vom (nachgestellten) Hissen der US-Flagge auf dem Suribachi-Vulkan der Insel zeigt, das später im US Marine Corps War Memorial am Nationalfriedhof Arlington verewigt wurde), drehte Eastwood dieses auf authentische Briefe kaiserlicher Rekruten gestützte Gegenstück. Dem Regisseur gebührt das (wohl kalkulierte) Verdienst, den Krieg aus Sicht des Feindes beschreiben zu wollen, zumal ausschließlich in japanischer Sprache und mit japanischen Darstellern produziert wurde. Indizien ehrlichen Bemühens, das Fremde zu verstehen, zudem: Eastwoods umfangreiche Recherchen und das mit japanischen Veteranen und Wissenschaftlern entwickelte Skript. Eine sichtbare Distanz aber bleibt dennoch, etwa in der Bildsprache oder der Auslotung philosophisch-propagandistisch entwickelter Mentalitäten. Eastwoods farbreduzierte Szenerie zeigt Tristesse und Eindimensionalität soldatischen Alltags in lebensfeindlichem Umfeld, die Angst und Ausweglosigkeit und das plötzliche Einbrechen existenzieller Gewalt. Ein Kriegsfilm, der sich nicht an Kämpfen aufgeilt, sondern Menschen zeichnet, in all ihrer Unterschiedlichkeit. Mutig und fanatisch, feige und verbrecherisch, mitfühlend, verständig, und doch in jenen Rollen gefangen, in die äußere Entwicklungen sie zwangen. Ein Statement allemal, ein stets aktuelles, auch wenn Mallick, Coppola, Kubrick Schrecken des Krieges und Schlaf der Vernunft bereits besseren filmischen Ausdruck gegeben haben.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
22.02.2007: Lonely Hearts Killers (++) 
  Gangster-Thriller
R: Todd Robinson
D: Selma Hayek, Jared Leto, John Travolta, James Gandolfini, Laura Dern, Scott Caan

Als Martha an einen mediokren Heiratsschwindler gerät, macht sie sich kurzerhand mit ihm gemein, erträgt in obsessiv-eifersüchtiger Verbundenheit aber nicht, ihm beim Witwentrösten zuzusehen, weshalb das Paar zusehends Leichen hinterlässt. Stimmungsvoller True Crime-Thriller im Neo Noir-Stil, der allerdings zu sehr auf die Ermittler (sehenswert träge: Travolta und Gandolfini) fokussiert, was daran liegen mag, dass Regisseur Robinson Enkel des einen ist. Ein stimmiges Psychogramm der Täter kann so nicht entstehen, auch weil die Besetzung von Heißblut Hayek ein wichtiges Detail klittert: die reale Martha wog 125 Kilo. Zwanzig Menschen sollen die echten Täter Ende der 1940er entlang der US-Ostküste ermordert haben, der Film beschränkt sich auf einige exemplarische Bestialitäten.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
22.02.2007: Tagebuch eines Skandals (KOTAU) 
  Psycho-Drama
R: Richard Eyre
D: Cate Blanchett, Judi Dench, Bill Nighy, Andrew Simpson

Großes Darstellerkino bieten Schauspielikonen Dench und Blanchett, flankiert vom ebenbürtigen Bill Nighy, in diesem packenden Kampf zweier von ihren Sehnsüchten getriebener Frauen. Gefangen in Zwangsvorstellungen, die ihre Einsamkeit diktiert, führt Altpädagogin Barbara ein Tagebuch von zynischer Eloquenz, in dem sie ihren (Schul-) Alltag portraitiert. Als sie die Affäre der elfenhaften Neulehrerin zu einem Schüler entdeckt, erpresst sie die Kollegin, um ihre eigenen Phantasien zu befriedigen. Intensiv, unterhaltsam und fesselnd bis zur letzten Minute.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
15.02.2007: Die Hollywood-Verschwörung (+) 
  Kriminaldrama
R: Allen Coulter
D: Adrien Brody, Diane Lane, Ben Affleck, Bob Hoskins

Millionen Kinder sind geschockt als der Stählerne abtritt. 1959 strecken Pistolenschüsse Superman-TV-Darsteller George Reeves nieder. Ein legendenumwobenes Fanal im jungen Hollywood, dessen Aufklärung abgehalfterten Privatschnüffler Untiefen der Traumfabrik preisgibt. Trotz floppende Genrebrüder in die Tasche steckender Inszenierung von Serienregisseur Coulter und einem über sich hinaus wachsenden Affleck seltsam grau wirkender Neo-Noir.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
15.02.2007: Der gute Hirte (KOTAU) 
  Agententhriller, Drama
R: Robert De Niro
D: Matt Damon, Angelina Jolie, Robert De Niro, Alec Baldwin, Martina Gedeck

Edward Wilson ist ein Gespenst. Als Spross der weißen Oberschicht, Yale-Alumni und 'Skull and Bones'-Erwählter dem 1942 gegründeten US-Auslandsgeheimdienst OSS beigetreten, wird er nach dem Kriege zum Gründungsmitglied der Nachfolgeorganisation CIA. Aber vierzig Jahre Misstrauen und Komplotte, Kalter Krieg und engstirniger Patriotismus formen ihn zum empathiefreien, der eigenen Familie entfremdeten Paranoiker. Eleganter Politthriller ohne den üblichen Agentenpomp, gut recherchiert, aufwändig und mutig in Szene gesetzt. Dabei komplex und detailverliebt wie das Spionagegeschäft laut Drehbuch gestrickt sein muss. Fast drei Stunden Hochspannung ohne jede Actionszene. Ein intensives, trefflich besetztes Alterswerk, auch wenn man De Niro noch viele Jahre als Regisseur wünscht.

[erschienen in pocket 12. 03'07]  
08.02.2007: Die Aufschneider (++) 
  Komödie
R: Carsten Strauch
D: Carsten Strauch, Rainer Ewerrien, Cosma Shiva Hagen, Christoph Maria Herbst, Burghart Klaußner

St. Georg oder die Eichwald-Klinik – Nur ein Krankenhaus wird die Gesundheitsreform überleben. Während erstere, zynisch geführte High-End-Anstalt zur Abschöpfung solventer Privatpatienten, auf Bestechung der organbedürftigen Prüfkommission setzt, müsste in letzterer dringend mal gestrichen werden. Einzige Hoffnung: Dussel-Doktoren Wesemann und Kunze, die mit Herz und Hand für ihren Lotterstall zur Sache gehen, auch wenn schon mal eine Spenderleber in der Pfanne landet. Lakonisch, dialogstark, makaber. M.A.S.H. meets Stromberg, reinkarniert als vollverblendet lächelnder Medikaster-Blofeld. Trotz leichter Schmerzen gelungene Spaßbehandlung.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
08.02.2007: Die Farbe der Milch (+++) 
  Komödie, Lovestory
R: Torun Lian
D: Julia Krohn, Bernhard Naglestad, Reidar Sørensen, Ane Dahl Torp

Die 12jährige Selma reagiert empört, als ihre besten Freundinnen eines Tages verkünden: „Wir haben beschlossen, uns ab jetzt für Jungs zu interessieren“. Die machen doch nichts als Probleme. Sie wird ihr Leben „der Wissenschaft spenden“. Doch plötzlich ist da dieser Fremde, und Andy geht ihr auch nicht mehr aus dem Kopf. Leichtfüssige Komödie über erste Liebe, komplizierte Familienbande und das bevorstehende Aussterben der Männer. Niedlich, authentisch, erfrischend witzig und ein bißchen nostalgisch. Sehenswert nicht nur für Kinder.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
08.02.2007: Sie sind ein schöner Mann (++) 
  Tragikkomödie
R: Isabelle Mergault
D: Michel Blanc, Medeea Marinescu

Grantliger französischer Bauer lässt sich von Partneragentur junge Rumänin vermitteln – um die Arbeitskraft seiner just zu den ewigen Melkerinnen versammelten Frau zu ersetzen. Was sein pragmatischer Plan nicht vorsieht, sind Gefühle. Charmant-rührseliger Erweckungslandauer, dem ein teils erdige Brocken umpflügendes Schar hinter leidlich wurzeltiefem Sech anhängt.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
08.02.2007: Schräger als Fiktion (++) 
  Fantasy-Komödie
R: Marc Forster („Monster's Ball“)
D: Will Ferrell, Maggie Gyllenhaal, Dustin Hoffman, Emma Thompson, Queen Latifah

Romanfigur entdeckt ihr drohendes Ableben und wendet sich an die Autorin, um das Schicksal neu zu verhandeln. Doch das wahre Leben und die Kunst folgen unterschiedlichen Regeln. Vom deutschen Regie-Star Forster sympathisch inzenierte, leider den selbst aufgestellten Grundsatz für einen guten Schluss unterlaufende Theoriekomödie mit Semiotiker-Witz.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
08.02.2007: Rocky Balboa (++) 
  Boxer-Drama
R: Sylvester Stallone
D: Sylvester Stallone, Burt Young, Geraldine Hughes, Antonio Tarver

Ex-Champ Rocky, gealtert und zur Legende geworden, lässt sich hängen. In seinem kleinen Lokal, das den Namen seiner verstorbenen Frau trägt, erzählt er Abend für Abend im weinroten Jackett von geschlagenen Schlachten im Ring. Zurück im alten Viertel, das verfällt wie er. Nichts ist geblieben. Doch Marie, die er einst rettete, und eine Computersimulation sorgen dafür, dass er noch einmal die Box-Handschuhe schnürt – gegen den amtierenden Weltmeister. Zwischen Selbstironie und Ikonographie schwankendes Alterswerk, das nach den ätzenden Ausfällen der Vorgänger Stallones Self-Made-Serie den warmherzigen Underdog-Ton des Erstlings zurückgibt und einen versöhnlichen Abschluss findet.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
01.02.2007: Nach der Hochzeit (++) 
  Drama
R: Susanne Bier („Brothers“)
D: Mads Mikkelsen, Rolf Lassgard, Sidse Babett Knudsen, Stine Fischer Christensen

Um indisches Waisenhaus zu retten, kehrt Aussteiger Jacob widerwillig nach Kopenhagen zurück, die seltsame Bedingung von Großspender Jørgen erfüllend. Als der ihn zur Hochzeit seiner Tochter einlädt, erkennt Jacob in Brautmutter Helene seine Jugendliebe. Doch bei dieser Überraschung bleibt es nicht. Eindrucksvoll fotographierte Gegensätze zwischen Subkontinent und Skandinavien und das intensive Psychoduell zwischen Bond-Villain Mikkelsen und Wallander-Erstbesetzung Lassgard verdichtet Dogma-Veteranin Bier elegant zu mitreissendem Tanz auf dünnem Eis über Pilcher-Schmalz. Letztlich leider zu dünnem, denn nach einer Stunde erstklassigen Kinos verliert das zuvor straffe Skript an tragender Raffinesse, und der Film bricht ein.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
01.02.2007: Vier Minuten (++) 
  Drama
R: Chris Kraus („Scherbentanz“)
D: Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung, Jasmin Tabatabai, Richy Müller, Vadim Glowna, Nadja Uhl

Mörderin Jenny ist Problemfall eines Brandenburger Knastes: trotzig-scheu, schnippisch und extrem gewalttätig. Doch in ihr schlummert noch etwas Kraftvolleres: das Talent einer Ausnahmepianistin. Hintersinniges Rebellenstück über den Mut zum unangepassten Leben und die stets zehrende Sehnsucht, die das unentschlossene Herz niemals verlassen wird.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
01.02.2007: Das wilde Leben (+) 
  Biopic
R: Achim Bornhak
D: Natalie Avelon, Matthias Schweighöfer, David Scheller, Alexander Scheer, Victor Norén, Milan Peschel

Uschi Obermaier galt als Sex-Ikone der 68er. Aber Politik und Theorie interessierten das Fotomodell wenig. Sie entflammte an der Verheißung von Freiheit, die sie kompromisslos zu leben versuchte, an den spannendsten Orten ihrer Generation: in Kommune 1, Stones- und Hendrix-Nachtlager und auf Weltreise mit Kiez-Kneipier Bockhorn. Vergnüglicher Ähnlichkeitswettbewerb, der dem ironischen, wenig umsichtigen Ton ihrer Autobiographie folgend weniger Aufschluss über die Pubertätsjahre der BRD als über Obermaiers Selbstbild bietet. Ex-Lover Langhans ist Weichei und verlogener Macho zugleich, ein Schwafler wie alle Kommunarden, für deren Überschaubarkeit Kunzelmann und Teufel gleich zu einem rumpelstilzenden Dialektiker verschmelzen. Andere Weggefährten wie Krautrock-Pioniere Amon Düül oder die Kiezgrößen 'Negerkalle' und 'Prinz von Homburg' muss man schon entdecken wollen. Nicht die freie, die glückliche Liebe will die Obermaier gesucht haben, gleichsam gefangen in jener Kleinbürgerlichkeit, der sie ein Leben lang floh. Weniger verständlich indes das fast völlige Fehlen des so bewegungsprägenden Soundtracks der Studentenrevolte, zu dessen Gunsten die häufig Höschen-lose, bunte und durchaus kurzweilige One-Girl-Show besser auf die Voice-Over-Einsichten der späten Obermaier verzichtet hätte.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
25.01.2007: Enron - The smartest Guys in the Room (+++) 
  Doku
R: Alex Gibney
D: Kenneth Lay, Jeffrey Skilling, Andrew Fastow, Lou L. Pai, George W. Bush, Arnold Schwarzenegger

Als der Energieriese Enron 2001 Insolvenz anmeldet, ist nicht nur der siebtgrößte US-Konzern am Ende, sondern hinter der Vernichtung von über 20.000 Arbeitsplätzen und eines Börsenwertes von 60 Milliarden Dollar tritt ein gigantischer Skandal zu Tage: Skrupellos und systematisch frisierten Firmengründer Lay, CEO Skilling und CFO Fastow die Bilanzen, dealten mit Großbanken und Wirtschaftsprüfern, schüchterten kritische Analysten ein und arrangierten sich mit den Einflussreichen bis hin zu Familie Bush. Auf dem Höhepunkt eines unfassbar verzweigten Betruges wurden nur noch Luftgeschäfte gebucht und die politisch folgenschwere kalifornische Energiekrise künstlich herbeigeführt, um die Preise zu treiben. Als der Koloss zu straucheln beginnt, setzen sich die Manager mit teilweise dreistelligen Millionen-Abfindungen ungeniert ab, finanziert aus den zur Altersvorsorge bestimmten Unternehmensbeteiligungen der Mitarbeiter. Erschütternde Sektion kreativer Wirtschaftskriminalität und ein mächtiges Argument gegen die Einführung von Investivlöhnen.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
25.01.2007: One Way (+) 
  Kriminaldrama
R: Reto Salimbeni
D: Til Schweiger, Lauren Lee Smith, Sebastien Roberts, Stefanie von Pfetten, Michael Clarke Duncan

Um die Heirat mit Tochter des Bosses nicht zu gefährden, deckt Werbe-Fuzzi Vergewaltigung einer Freundin durch Juniorchef. Trotz aller Genre- und USA-Klischees streckenweise recht ordentlicher Thriller, dessen konstanteste Schwäche das Unterliegen von Produzent Schweiger gegen das eigene Schauspieler-Ego ist. Wechselt mit zunehmender Laufzeit so oft Richtung und sogar Sujet, dass Befürchtungen aufkommen, es wolle nie mehr enden.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
25.01.2007: Paris Je t'aime (+++) 
  Episodenfilm
R: Ethan & Joel Coen, Gus van Sant, Tom Tykwer, Wes Craven, Gérard Depardieu u.v.a.
D: Steve Buscemi, Juliette Binoche, Willem Dafoe, Nick Nolte, Ludivine Sagnier, Elijah Wood, Natalie Portman u.v.a.

18 Variationen über Paris und die Liebe, erzählt von 21 Regisseuren aus aller Welt. Ein gelungenes Experiment, lustig, abseitig, düster, ironisch, traurig, sarkastisch und liebevoll. Ein anregender Besuch an der Seine, der über touristische Pfade hinausführt.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
25.01.2007: Verfolgt (++) 
  Drama, Lovestory
R: Angelina Maccarone („Fremde Haut“)
D: Maren Kroymann, Kostja Ullmann, Markus Völlenklee, Moritz Grove, Ada Labahn

Bewährungshelferin und adoleszenter Schützling verstricken sich in intensive Abhängigkeit mit sado-masochistischer Komponente. Von Sehnsüchten und Fluchten getragen, lässt die Grenzüberschreitung die Konventionen ihrer Leben verwehen. Leiser Aufruf zur Rebellion in intimer S/W-Metaphorik.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
25.01.2007: Blood Diamond (+++) 
  Action-Thriller
R: Edward Zwick („Ausnahmezustand“)
D: Leonardo DiCaprio, Djimon Hounsou, Jennifer Connelly, Arnold Vosloo, Michael Sheen

Als Arbeitssklave in die Diamantenfelder Sierra Leones verschleppter Mende findet in den Pipes kapitalen Fancy-Stein, muss ihn auf Flucht aber zurücklassen. Begleitet von rhodesischem Ex-Söldner mit Kontakten zu europäischen Juwelieren durchquert er alle Fronten des bestialisch tobenden Bürgerkriegs, um seine Familie aus Flüchtlingslager und seinen zum Kindersoldaten abgerichteten Sohn zurück zu holen. Packende, intelligente Action mit einem überragenden DiCaprio, dessen intensives Spiel ebenso unter die Haut geht wie die Vergegenwärtigung eines (Über-)Lebens inmitten von Chaos und Kampf. Das zynische Schicksal weiter Teile des afrikanischen Kontinents, dessen Bodenschätze von den westlichen Industrienationen noch immer gnadenlos ausgebeutet werden, während dessen Menschen von außen aufgerüsteten, brutalen Verbrecherbanden ausgeliefert sind, wird hier symptomatisch am Beispiel des erbarmungslosen „Bürgerkriegs“ in Sierra Leone (1991-2002) aufgezeigt. Vom liberianischen Warlord Charles Taylor unterstützte RUF-Rebellen kämpften gegen wechselnde, weil stets weggeputschte Regierungen um die Kontrolle der Diamantvorkommen des westafrikanischen Staates. Söldner auf allen Seiten, Waffen, finanziert durch „Blutdiamanten“, illegal aus Krisengebieten exportierte Steine, und die Ignoranz der Weltöffentlichkeit verschärften die Situation. Zwick zeigt die Unentrinnbarkeit aus einem im Alltag ausgetragenen Konflikt, der keine zivilen Opfer scheut, die immense Brutalität auf allen Seiten (etwa das „Markenzeichen“ der RUF: das Abschlagen von Körperteilen mit Macheten), und wie es aussieht, wenn eine Million Menschen in einem Flüchtlingscamp zu überleben versuchen. Den filmisch etwas schwülstigen Schluss überdauert ein Begriff von Verantwortung, der auch Kriegsreportie, den abendessenden Nachrichtenkonsumenten und Bling-Bling-Produkte betrachtende Hochglanzmagazinbewunder nicht aus ihr entlässt.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: Schwere Jungs (++) 
  Komödie
R: Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“)
D: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Antoine Monot Jr., Bastian Pastewka, Horst Krause

Dörfler Gamser und Dorfler sind Rivalen seit der Kindheit, beim Buben-Bobrennen, in der Wirtschaft wie im Leben. Nach 16 Jahren Fehde sollen die Olympischen Winterspiele in Oslo endlich Klarheit schaffen: Wer ist der König des Viererbobs? Wären da nicht Eisprinzessinnen, Sexheftchen und patriotische Pflichten. Harmloser aber charmanter Mundart-Klamauk.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
18.01.2007: Chanson D'Amour (+++) 
  Melodram, Lovestory
R: Xavier Giannoli
D: Gérard Depardieu, Cécile de France, Mathieu Amalric, Christine Citti

Liebe in Zeiten von Lebenswelten: Als Tanzmusiker tingelnder Schlagersänger und junge Maklerin in zarter Choreographie aus Anziehung und Abstoßung. Erdverbunden wie Herrenhandtaschen und Senioren-Tanztees, melancholisch, schwelgerisch und variantenreich wie das französische Chanson.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: The Fountain (+) 
  Fantasy, Drama
R: Darren Aronofsky („Pi“)
D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Stephen McHattie, Mark Margolis

Wissenschaftler muss erkennen, dass zum Kreislauf des Lebens notwendigerweise der Tod gehört. Langatmige Meditation über drei Bewusstseinsebenen, die trotz Aronofskys Weltformel-Phantasien im Vorfeld seines „ambitioniertesten“ Projektes, dessen ursprüngliche Hauptdarsteller Brad Pitt und Cate Blanchett abgesprungen sind, dem Erkenntnisdiskurs nichts hinzuzufügen weiß. Eher esoterisch als philosophisch.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: Das Streben nach Glück (+) 
  Sozial-Drama
R: Gabriele Muccino
D: Will Smith, Thandie Newton, Jaden Christopher Syre Smith

Allein erziehender Vater erkämpft durch halbjähriges, unbezahltes Kompetitiv-Praktikum parallel zu sozialem Abstieg und Obdachlosigkeit Job als Börsenmakler. Als Lebensgeschichte respekteinflössend, als Erzählung lupenreine Neo-Lib-Ideologie, da Generalisierung unterstellt: Wer sich richtig anstrengt, wird es auch schaffen. Und dessen Umkehrschluss. Schade, denn Smith liefert an der Seite seines echten Sohnes eine überzeugende Vorstellung.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: The Return (+) 
  Mystery-Thriller
R: Asif Kapadia
D: Sarah Michelle Gellar, Sam Shepard, Peter O'Brien, Adam Scott, J.C. MacKenzie

Gibt es eigentlich noch normale Menschen in Texas? Von stalkendem Ex-Freund und Angst-Visionen gequälte Twenty-Something-Schnitte verliert in keimig-grober Lone Star-Siedlung zunehmend an persönlicher Integrität und Boden gegenüber hakenschwingendem Verfolger. Suspense-meets-Séance-Gesellenstück mit Mut zur Auslassung, etwas zahm, aber in gebürsteten Bildern.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: Unser täglich Brot (+++) 
  Doku
Regie, Kamera: Nikolaus Geyrhalter
Schnitt: Wolfgang Widerhofer

Voll automatisiert und in serieller Massenproduktion werden unsere Lebensmittel heute hergestellt, vom Brutkasten über das Fließbandküken zum verschweißten Hähnchenschenkel, vom Ansaugstutzen im Wasser auf durchgängiger Produktionsstrecke zur Fischkonserve. Gewächshäuser, Akkordpflücken, Reihenschlachtung. Kein Kommentar wertet das Gesehene, kein Interview, keine Melodie lenkt von Gedanken ab, die sich jeder selbst dazu machen kann. Hoch interessant, surreal und doch so alltäglich wie unbekannt.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: Wer Feuer sät ... (+) 
  Apartheid-Drama
R: Phillip Noyce („Der stille Amerikaner“)
D: Derek Luke, Tim Robbins, Bonnie Mbuli, Mncedisi Shabangu, Sithembiso Khumalo

Südafrika 1980: Raffinerie-Vorarbeiter gerät unschuldig in Foltersystem des rassistischen Regimes und schließt sich militantem Flügel des ANC an. Graustufenarme Leidensgeschichte, die der Perfidie des burischen Stasi-Offiziers leider so viel Erzählzeit einräumt, dass Mandelas für die Apartheidbewältigung so wichtiges Versöhnungscredo am Schluss halbherzig nachgeschoben wirkt, und angelegte Topoi wie die Wahrnehmungsdifferenz zwischen Widerstandskampf und Terrorismus nicht breiter reflektiert werden.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
18.01.2007: Krass (++) 
  Satire, Drama
R: Ryan Murphy
D: Annette Bening, Joseph Cross, Gwyneth Paltrow, Joseph Fiennes, Alec Baldwin, Brian Cox

„I don't eat Pussy!“ brüllt Adoptivirrer Neil in vordergründigem Village People-Schnauzbart-Biker-Outfit der fundamental-christlichen Jungfer Hope entgegen, als sie Stew mit geheimer Zutat serviert. Ein stellvertretener Aufschrei im an Regungsstatthaltern reichen Erinnerungskosmos von Erfolgsautor Augusten Burroughs, der mit seiner Vergangenheit abrechnet: Vater Trinker, Mutter Möchtegern-Dichterin, die ihn bei ihrem Therapeuten ablädt, um die Selbstfindung voll auszuleben. Dass der gute Doktor selbst nicht alle Latten am Zaun hat, wird spätestens klar, als er Augusten sein mit Portraits von Golda Meir und Queen Elizabeth geschmücktes 'Masturbatorium' zeigt. Gestrandet in dessen Villa Kunterbunt stellt Augusten entsetzt fest, dass die Bewohner eine Art 70ies-Version der Addams Family sind. Um Skurillität bemühtes Coming-of-Age-Drama um das Sich-Finden in heillos desinteressiertem bis feindseiligem Umfeld, und die Einsicht des Heranwachsenden, dass Familie nicht durch Blut allein bestimmt wird. Eine ComingOut-Geschichte zudem, eine von Abschied, vom Suchen nach Liebe an der falschen und Komplizenschaft an unerwarteter Stelle.

[erschienen in pocket 11. 02'07]  
11.01.2007: Die Queen (++) 
  Bio-Fiction, Royal-Drama
R: Stephen Frears („High Fidelity“)
D: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Alex Jennings, Roger Allam

Nach dem plötzlichen Unfalltod von Lady Diana erwartet nicht nur die britische Öffentlichkeit eine Solidaritätsadresse der Queen. Doch diese versteht weder dieses Ansinnen noch die unendliche Anteilnahme, die sich im Blumenmeer vor Buckingham Palace äußert. Um das Volk zu besänftigen, und so die Tradition zu bewahren, versucht der frisch gewählte Labour-Premier Blair, der Monarchin die Spielregeln einer veränderten Gegenwart nahe zu bringen. Frecher, weil komplett imaginierter Blick durchs royale Schlüsselloch. Eine trotz spöttischen Tons wohlwollende Homestory, die ebenso eine späte Ehrenrettung der Windsors (Mirren und Cromwell glänzen als Elizabeth II. und Prinz Philip) versucht wie die Darstellung des heute entmystifizierten Blairs als eine Art Ivanhoe Guevara, kämpferischer Sozialrevolutionär und Schwiegermütter rührender Königstreuer zugleich.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
11.01.2007: Mein Führer (+) 
  Nazi-Komödie
R: Dani Levy („Alles auf Zucker“)
D: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Ulrich Noethen, Katja Riemann

1944 glaubt Hitler nicht mehr an Reich und Endsieg. Kurzerhand lässt Goebbels den jüdischen Theater-Professor Grünbaum aus dem KZ holen, um dem Führer das alte Feuer wiederzugeben. Kurz und schmerzlos: Levys Hitler-Posse ist nicht der große Wurf. Weil er, irgendwo zwischen Lubitsch und Benigni versandend, keinen eigenen Stil prägt; sich nicht entscheiden mag zwischen makaberer Satire mit dem Biss jüdischen Witzes und albern-herzlicher Tragikkomödie. Und vor allem, weil er gegen jede Erwartung seinen Hauptdarsteller nicht von der Leine lässt. Hochgradig unangemessen indes ist Hitlers Zeichnung als nur von der Kamarilla manupilierten, bettnässenden Dementen mit Vaterkomplex. Die mangelnde Stringenz des Skripts und zu geringe Traute bei der Inszenierung beschädigen auch die teilweise (sehr) gelungenen Szenen und Dialoge. Schade!

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
11.01.2007: Lady Vengeance (++) 
  Drama, Thriller
R: Park Chan-wook („Oldboy“)
D: Lee Young-Ae, Choi Min-Sik, Oh Dai-Su, Yea-young Kwon

Nach 13 Jahren Gefängnis übt zarte Koreanerin blutige Vergeltung. Auch sie ein Opfer, nicht aber das einzige, lehrt ihre radikale Suche nach Erlösung, dass ein Sühneopfer weder Wut noch Schmerz zu kühlen vermag. Leider im Klischeekorsett des strahlenden Racheengels trägt im letzten Teil seiner Rache-Trilogie erstmals eine Frau die Handlung, was Parks Gewaltdarstellung sinnlicher macht, nicht weniger drastisch, aber des plump Affektiven benommen. Charakteristisch in poetisch-vielebigen Motiven, durchsetzt mit erfrischenden Scherzattacken, unvermittelt und bitterböse, aber nicht von so komplexer Erzählstruktur und so philosophischer Akkuratesse wie sein Meisterwerk 'Oldboy'.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
11.01.2007: Brinkmanns Zorn (++) 
  Bio-Fiction, Hördoku
R: Harald Bergmann
D: Eckhard Rhode, Alexandra Finder, Martin Kurz

Rolf Dieter Brinkmann (1940-75) war eine Literaturikone. Ein Poppoet, Sprachzerstückler, Stadtbeschimpfer, Weltverzweifler und Großdilettant. Ein Anders-Sehen-Wollender, ein Psycho. Lippensynchron zu hinterlassenen Original-Tonbändern Brinkmanns irrt Schauspieler Rhode durch diesen Trip zwischen „Vorstellung und dem, was wirklich ist“. Nicht Jedermanns Sache.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
04.01.2007: Das Spiel der Macht (+++) 
  Polit-Drama
R: Steven Zaillian
D: Sean Penn, Jude Law, Kate Winslet, Anthony Hopkins, James Gandolfini

Charismatisch und voll ehrlichen Zorns steigt rechtschaffender Lokalpolitiker (herausragend: Sean Penn als Willie Stark) zu gefeiertem Demagogen auf, gelangt nach ganz oben und beginnt als Südstaaten-Gouverneur, seine populistischen Wahlversprechen einzulösen, gegen alle Kartelle und Finanzverfassungen. Doch Macht und politische Ränke korrumpieren auch ihn. Eines Tages nötigt er Ex-Reporter und Steigbügelhalter Burden (Jude Law), ebenfalls vom Idealisten zum Trinker gereift, Richter Irwin (Anthony Hopkins) unter Druck zu setzen. Eine pikante Angelegenheit, hatte dieser ihn doch einst zu einem aufrechten Mann erzogen. Regisseur und Drehbuch-Autor Zaillian (Oscar für „Schindlers Liste“) adaptiert Robert Penn Warrens „All the King's Men“ (Pulitzer-Preis 1946) zu einer eindringlichen Herrschaftskritik, die klug die Verästelung und Fokusverschiebungen des Politikbetriebes aufzeigt, ohne oberflächlich zu moralisieren. Atmosphärisch dicht erzählt im Nebenstrang eine Parabel vom Aufbruch der alten Südstaaten-Verfassung durch Eindringen des Misfits Stark in das traditionelle Gesellschaftsgefüge. Haute Cinéma mit Sahne-Cast.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
04.01.2007: Princesas (++) 
  Drama
R: Fernando León de Aranoa („Montags in der Sonne“)
D: Candela Peña, Micaela Nevárez, Antonio Durán 'Morris'

Caye ist Nutte in Madrid, eine Prinzessin, die eine Wahl, aber keinen Clou zu haben scheint, mit Kolleginnen im Frisiersalon abhängt, abschätzig die anschaffenden Einwanderinnen beäugend. Bis sie Latina Zulema den Fäusten eines Freiers entwöhnt, und Freundschaft mit der stolzen, aber zukunftslosen Illegalen schließt. Nüchtern-humorvolles, virulente Probleme wie Migration, Rassismus und die ungelöste soziale Frage in der EU aufnehmendes Porträt urbaner Realität des gegenwärtigen Spaniens, empathisch ohne Affirmation, zur Musik von Manu Chao. Ein früheres Ende hätte allerdings davor bewahrt, über das Ziel hinaus zu schießen.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
04.01.2007: Prestige - Die Meister der Magie (+++) 
  Fantasy, Drama
R: Christopher Nolan („Memento“)
D: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Scarlett Johansson, David Bowie

London, Fin de siècle: Das Prestige, die Verblüffung des Publikums, ist Lebensinhalt und Strebensziel zweier Zauberkünstler, deren Konkurrenz zur Obsession auswächst und die ehrgeizigen Illusionisten über Leichen gehen lässt. Denn irgendwann sind Tricks allein nicht mehr genug. Fesselnder Falltür-Parcours, dessen behäbiger, weil früh antizipierbarer Auflösung man des Production Designs wegen gerne folgt, im Wissen aber, dass Erzähl-Dekonstruktivist Nolan dem Seher schon mehr zugetraut hat.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  
04.01.2007: Spiel auf Bewährung (++) 
  Knastdrama, Sport
R: Phil Joanou („Entropy“)
D: Dwayne 'The Rock' Johnson, Xzibit, Jade Yorker, Kevin Dunn, Leon Rippy

Tod oder Knast – einzige Perspektive jugendlicher Mörder und Gang-Mitglieder nach ihrer Haftentlassung. Doch zwei Zuchtmeister (Kopfnicker Xzibit sekundiert Ex-Wrestler 'The Rock' in seiner ersten Sprechrolle) wollen die Kids durch Football sozialisieren. Der „True Story“-Impetus und Joanous deutliche Bilder aus den Neighborhoods läutern den emotionssatten Spannungsbogen konventioneller Sportsmovies zu annehmbarem Haltungsvehikel.

[erschienen in pocket 10. 01'07]  

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